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504 Präformationssystem — Pragmatismus.
unter äußeren und inneren Einflüssen (DESCARTES, MAUPERTUIS,
C. FR. WOLFF, Theoria generationis, 1759, KANT, SPENCER, HAECKEL,
SCHEID, Höherentwicklung und Menschenökonomie I, 1911, u. a.). In der
Gegenwart herrscht die epigenetische Theorie vor, aber zum Teil durch einen
modifiziert („Determinanten" im Keimplasma als An-
lagen zu den künftigen Teilen des Organismus: WEISMANN U. a.). — VgL
G. Energetische Epigenesis, 1897. Vgl. Vererbung.
Präformationssystem der reinen Vernunft nennt KANT
Annahme, daß die Kategorien (s. d.) subjektive Erkenntnisformen sind,
uns als Anlagen angeboren sind und dabei doch das objektive (absolute)
erfassen. KANT stellt dieser Annahme (LEIBNIZ U. a.) das „System der Epi-
genesis der reinen Vernunft" entgegen, wonach die Kategorien die
der Möglichkeit aller Erfahrung enthalten (Krit. d. reinen
S. 682).
Pragmatisch von Handlung, Tatsache; vgL
ARISTOTELES): praktisch, auf das Handeln bezüglich; dem Handeln, der
dienend; auf den Zusammenhang der Begebenheiten gehend, die Ursachen und
Folgen derselben beachtend („pragmatische Geschichtsschreibung", Ausdruck
schon bei POLYBIUS, Histor. I, 2, hier = Staatengeschichte; die
Tendenz selbst heißt vgl. BERNHEIM, Lehrbuch der
Methode4, S.23; 1908; vgl.KÖHLER,De historia 1714).
versteht unter „pragmatisch" das, was zur Wohlfahrt dient, die Klugheitsregel,
die aus dem Motive der Glückseligkeit entspringende Maxime (Grundleg. zur
Metaphys. d. Sitten, 2. er spricht ferner von einem „pragmatischen
Glauben" und verfaßt eine „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht"). RIX-
NER z. B. (Handbuch d. Gesch. d. Philos. III, 1823, S. 136) spricht von den
Engländern als einer „pragmatisch gesinnten Nation" und (S. 220) vom „Prag-
matismus" der Engländer.
Pragmatismus (von pragmatisch) oder Instrumentalismus (s. d.)
heißt derjenige philosophische Standpunkt, der, in verschiedenen Formen
auftretend (in biologistisch - psychologistisch - voluntaristisch - teleologisch-
aktivistischer Weise), die Philosophie und das Wissen überhaupt un-
mittelbar zum Leben, zum Handeln, zur Praxis in Beziehung setzt, alles
Denken (s. d.) und Erkennen als zielstrebig, auf Zwecke der „Praxis",
Handelns und des Denkens selbst gerichtet, aus Interessen, Bedürfnissen,
Willenstendenzen entspringend betrachtet und es nach seiner Tauglichkeit,
dem Leben und Handeln zu dienen, es zu fördern, wertet. Der P. ist auf die
Zukunft gerichtet, er fragt stets nach dem Leistungswert („power to work")
des Denkens, der Begriffe, Urteile, Hypothesen, Theorien, nach ihrer theore-
tisch-praktischen Fruchtbarkeit. Das Denken und Erkennen, die
(s. d.) sind nicht Selbstzwecke, sondern Mittel im Dienste des Lebens und
dessen Erhaltung und Höherentwicklung. Die (s. d.) von Urteilen
besteht nicht in der Übereinstimmung mit einer gegebenen Wirklichkeit, son-
dern in der „Bewährung" selbst, d. h. in der durch Erfahrung bestätigten
Förderung des „Lebens" (Denkens und Handelns), in ihren zweckmäßigen
Diese entscheiden auch über den Wert eines Problems
und dessen Lösung; ergibt die Abweichung keinen Unterschied für die
dann ist das Problem, bzw. dessen Lösung müßig. — Dem P. ist die
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften