Page - 506 - in Handwörterbuch der Philosophie
Image of the Page - 506 -
Text of the Page - 506 -
506 Praktisch — Präscienz.
lichkeitsdualismus, 1912; PRATT, What is Pragmatism, 1909. — Vgl. Wahr-
heit, Erkenntnis, Axiom, A priori, Voluntarismus, Zweck, Denkgesetze,
Logik, Gültigkeit, Hypothese, Prinzip, Fiktion, Religion.
Praktisch auf das Tun, Handeln, die Praxis bezüglich:
zum Handeln gehörend, für das Handeln zweckmäßig. Das Praktische steht im
Gegensatz zum Theoretischen, dem bloßen Erkennen und Denken Angehören-
den. Praktische Wissenschaften sind Wissenschaften, deren unmittel-
barer Gegenstand irgendeine Praxis, ein Handeln bildet (z. B. Pädagogik, Ethik,
Rechtswissenschaft), welches teleologisch-normativ, d. h. im Hinblick die
richtigen Mittel zu den angestrebten, zu realisierenden Zwecken hin untersucht
und gewertet wird. — Von der eigentlichen Praxis ist die Denk- und Wissen-
schaftspraxis (Methodik) zu unterscheiden (vgl. Pragmatismus).
Vom Theoretischen unterscheiden das Praktische schon PLATON
258 E) und besonders ARISTOTELES, nach welchem die p. Wissenschaft
das Handeln zum Gegenstand hat (Metaphys. V I, 1025 b 18 ff.).
— Nach KANT ist praktisch, was in der Freiheit, in der Willenstätigkeit
wurzelt. P. ist die Erkenntnis von dem, was sein soll (s. Vernunft, praktische).
Vgl. P. E. MENTZ, Das praktische Leben vom Gesichtspunkt des höchstmög-
lichen Zweckvollen I, 1906; E. MACH, Erkenntnis und Irrtum, 1906. — VgL
Praxis, Wissenschaft, Ich, Körper (MACH), Ökonomie, Fiktion.
Philosophie: Philosophie des Praktischen (s. d.), der
Willenshandlungen ethischer, sozialer, rechtlicher, Ökonomischer, politischer,
technischer Art. Sie geht teils phänomenologisch (s. d.), analytisch, erklärend,
genetisch, teils kritisch-normativ vor (s. Praktisch). Sie formuliert Normen
(s. d.), wertet, bestimmt, was auf einem Gebiete des Handelns sein oder ge-
schehen soll, geleitet von obersten, apriorisch-idealen Gesichtspunkten (s. Ver-
nunft, Wert).
Den Begriff der p. Philosophie (s. d.) hat schon ARISTOTELES, ferner die
Scholastik. Nach CHR. WOLFF ist sie die Wissenschaft von der Leitung
freier Handlungen durch allgemeinste Regeln (Philos. practica, § 2 f.: Ethik,
Ökonomik, Politik). HERBART versteht unter p. Philos. die Lehre vom Tun
und Lassen, vom Gefallenden und Mißfallenden (vgl. Lehrb. zur Einleit.5,
S. 143). Vgl. WUNDT, S. 6; 4. A. 1912; JODL, Psychologie, 1909,
I3, 9; B. CROCE, Filosofia della pratica, 1909. — VgL Sollen.
Prämissen (praemissae, heißen die Vordersätze des
Schlusses (s. d.).
an (prae, vorweltlich, vor der exi-
stierend (vgl. Logos, Präexistenz).
Präsent (praesens): gegenwärtig, in der Wahrnehmung unmittelbar ge-
geben, bewußt. — Über „Präsenzstärke" der Dispositionen vgl. OFFNER, Das
Gedächtnis2, 1911. — Vgl. Zeit.
Prästahiliert s. Harmonie.
Präsumption (praesumtio): Voraussetzung aus
gründen.
Präscienz (praescientia): Vorherwissen Gottes.
back to the
book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften