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CHR. WOLFF ist P., was den Grund eines andern enthält (Philos.
§ 866; s. Grund). HUME versteht unter „principles" sowohl allgemeine Sätze
als Seinsgründe, REID oberste Grundsätze, die dem „Gemeinsinn" (common
sense) angeboren sind und unbeweisbare, aber notwendige Wahrheiten („seif-
evident truths" darstellen. Metaphysische Prinzipien sind der Satz der Kausa-
lität und daneben gibt es noch und
sittliche Prinzipien (Works, 1804, 1828—36). — Nach KANT sind Prinzipien,
„synthetische Erkenntnisse aus Begriffen" (Krit. d. rein. Vern., S. 265 f.). Die
„Kritik der reinen Vernunft" (s. d.) untersucht die Erkenntnis nach
einheitlich-systematisch. Das oberste P. des Erkennens ist der Grundsatz der
transzendentalen Apperzeption (s. d.), das des Handelns der kategorische
rativ (s. d.; vgl. Axiom, Grundsatz). Nach COHEN U. a. ist das P.
eine apriorische Grundlegung zur Erkenntnis im reinen Denken (vgl. Idea-
lismus, Ursprung). — Nach HÖFFDING besteht die Wahrheit der Prinzipien
in ihrer Gültigkeit und diese in ihrem „Arbeitswerte" (Der menschliche
danke, 1911).
Nach dem Prinzip der Dinge fragen besonders die
philosophen. Nach THALES ist der Urgrund von allem das „Wasser",
dem und zu dem alles wird, wie etwa das Leben aus feuchtem Samen hervor-
geht (Diogen. Laert. I, 27; Stobaeus, Ecloga I, 290; Aristoteles, Metaphys. I 3,
983 b 20 ff.), nach ANAXIMANDER ist es das „Apeiron" (s. d.), nach
die (beseelte, alles umfassende) Luft (Diogen. Laert. II, 2, 3; Aristot., Met. I
3, 984 a 5), ebenso nach DIOGENES VON APOLLONIA und IDAIOS von
nach HERAKLIT das Feuer, das bald auflodert, bald erlischt und sich in
Wasser und Erde verwandelt, als ein göttlicher, beseelter, vernünftiger Prozeß
(s. Logos; xövde avxbv ovxe ftecov ovxe
xal eoxiv xal nvg piexga xal
bei Clemens Alexandr. V, 559; Laert. IX, 7; vgl.
GORAS leitet alles aus der „Zahl" (s. d.) ab, ANAXAGORAS aus den „Homoeomerien"
(s. d.) dem (s. d.), EMPEDOKLES aus den Elementen (s. d.) und
aus Liebe (s. d.) und Haß, DEMOKRIT aus den Atomen (s. d.), PLATON aus den
Ideen (s. d.), der Weltseele (s. d.) und der „Materie" (s. d.), ARISTOTELES aus
Form (s. d.) und Materie (s. d.), neben denen er auch Ursache und Zweck als
Prinzipien gesondert nennt (Metaphys. I, 3; V, 2; VIII, 4), die aus
dem „Tätigen" und „Leidenden" bzw. aus dem „Pneuma",,
der dem Stoffe immanenten Kraft (Diog. Laert. VII, 134), EPIKUR aus den
Atomen (s. d.), PLOTIN aus dem göttlichen „Einen" (s. d.).
In der Renaissance bestimmt PARACELSUS als Prinzipien der Körper
„Schwefel", „Salz", „Quecksilber" (bzw. analoge Zustände; Meteor. S. 72 ff.),
TELESIUS Wärme [und Kälte (De natur. rerum I, 2 ff.), ebenso CAMPANELLA
(De sensu rerum II, 5). SPINOZA leitet alles aus der göttlichen „Substanz"
(s. d.) ab, im Gegensatz zum Dualismus (s. d.) DESCARTES'; LEIBNIZ aus den
„Monaden" (s. d.), FICHTE aus dem „Ich" (s. d.), SCHELLING aus dem „Abso-
luten" (s. d.), HEGEL aus der „Idee" (s. d.), SCHOPENHAUER aus dem „Willen"
(s. d.), HERBART aus den „Realen" (s. d.), E. v. HARTMANN aus dem „Un-
bewußten" (s. d.), usw. Vgl. B. JORDAN, Beiträge zu einer Geschichte d. philos..
Terminologie, Archiv f. Gesch. der Philos. Bd. 24, 1911; STÖCKL, Lehrbuch d.
Philos. II8, 1912. — VgL Spiritualismus, Materialismus, Monismus,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften