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Handwörterbuch der Philosophie
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Psychoid — Psychologie. 515 seelenartig, seelenartige Kraft; nach DRIESCH eine Art der „Entelechie" (s. d,), ein Naturfaktor, der dem Seelischen analog wirkt (Der Vitalismus, 1905, S. 221). Vgl. Die Eigenkraft der Materie, S. 33 ff.; L. GILBERT, Neue Energetik, 1911. Psychologie Seele; „psychologia" zuerst bei MELANCHTHON, in dessen Vorlesungen, GOCLENIUS, Psychol., 1590, CASMANN, Psychol. anthro- 1594): Seelenlehre. Die P. ist jetzt (als empirische P.) nicht mehr die Wissenschaft vom Wesen der Seele (metaphysische, philosophische P.), sondern eine selbständige Einzelwissenschaft, die in Metaphysik mündet, aber nicht von ihr ausgeht. Sie ist die Wissenschaft vom seelischen Leben in dessen Gesamt- heit, vom Bewußtseinsverlaufe oder von den „Erlebnissen" als solchen, d. h. als unmittelbaren lebend igen Reaktionen und des Im zur Naturwissenschaft (s. d.) nimmt sie den Stand- punkt der unmittelbaren Erfahrung und weise an, d. h. sie abstra- hiert nicht von der Zugehörigkeit des Erfahrungsinhalts zum erlebenden Sub- jekt, sondern betrachtet und erforscht ihn als konkreten Bewußtseinsinhalt und Bewußtseinsvorgang, als einheitlich-stetigen Verlauf von Prozessen, in welchen das Subjekt sich setzt, erhält und findet (vgl. Seele). Die P. beschreibt und ana- lysiert das seelische Leben, zerlegt es in Momente, Faktoren, Seiten Elemente (s. d.), um den ganzen Reichtum des Psychischen, der Innenwelt zu erfassen, und dann sucht sie synthetisch die Struktur, den Zusammenhang des Seelischen wieder aufzubauen, wobei sie freilich den stetig-innerlichen, einheitlichen Ver- lauf öfter veräußerlicht — ein Fehler, der teils in der Natur des begrifflichen Denkens liegt, teils aber nach Kräften vermieden werden kann, indem auf die primäre, konkrete, lebendige Einheit des Seelischen geachtet wird („Organische" P.). Die P. hat vor allem auch eine genetische Methode, sie geht dem Werden und der Entwicklung des Psychischen und der psychischen Gebilde nach und gelangt schließlich zu typischen, relativ konstanten, gesetzmäßigen Abfolgen und Zusammenhängen, die sie aus dem Zusammen- und Wechselwirken psy- chischer Faktoren erklärt. Dabei darf die physische, physiologische, biologische Seite und Grundlage des Seelenlebens nicht vernachlässigt werden, die Be- ziehungen psychischer Vorgänge zu physischen Bedingungen müssen beachtet werden und auch das Pathologische im Psychophysischen kann zum Ver- ständnis des Normalen dienen. Die Methode der Selbstwahrnehmung, Selbst- beobachtung und der Fremdbeobachtung (s. Beobachtung) wird vielfach durch die experimentelle (s. d.) Methode erst exakt gestaltet (Variation der auslösen- den Reize, willkürliche Hervorbringung psychischer Vorgänge, Unabhängigkeit von der Absicht des Beobachtens, durchgehende Kontrolle). Dazu kommt noch die Methode der Vergleichung (komparative P.). — Die P. gliedert sich in: Individualpsychologie (im weiteren Sinne, nebst Tier-, Kinderpsycho- logie, Charakterologie oder „Differenzialpsychologie") und Völkerpsycho- (Kollektiv-, Sozialpsychologie). Die P. ist die allgemeine Hilfswissen- schaft, in gewissem Sinne auch „Grundwissenschaft" der Geisteswissenschaften, die aber (nebst der Psychologie selbst) einer logisch-erkenntniskritischen Grund- legung bedürfen und als Wert- und normative Wissenschaften über die P. hinausgehen (vgl. Psychologismus, Norm). Der Richtung nach gibt es eine intellektualistische (s. d.), voluntaristische (s. d.), eine Vermögens-, Aktions-, Apperzeptionspsychologie, eine
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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