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der Sinnlichkeit, unter der allein uns äußere Anschauung möglich ist". Räum-
lich sind die Dinge nicht an sich, sondern nur als Erscheinungen, als
stände der Sinnlichkeit". Insofern sind sie aber wirklich, objektiv, allgemein
und notwendig räumlich: „Wir behaupten also die empirische Realität
des Raumes (in Ansehung aller möglichen äußern Erfahrung), obzwar zugleich;
die transzendentale Idealität desselben, d. L, daß er nichts sei, sobald
die Bedingung der Möglichkeit aller weglassen und ihn als etwas,.
was den Dingen an sich selbst zu Grunde Hegt, annehmen." Raum und Zeit
sind „Erkenntnisquellen, aus denen a priori verschiedene synthetische Erkennt-
nisse geschöpft werden können", gelten aber nur für Gegenstände möglicher
Erfahrung (vgl. Anschauungsform, Mathematik). Um diese Anschauungsformen
begrifflich zu gestalten, bedarf es noch einer intellektuellen Funktion, nämlich»
„synthetischen Einheit der Apperzeption", welche die Einheit des Raum-
begriffs erzeugt. Die Raumanschauung ist nicht angeboren, sondern „ur-
sprünglich erworben"; angeboren ist nur der erste „formale Grund" ihrer
Möglichkeit (Über eine Entdeckung, 1. Abschn.; vgl. Krit. d. rein. Vern., S. 50 ff.;
Metaphys. Anfangsgründe der Naturwissensch.). — Ähnlich lehren»
Kantianer und d.): REINHOLD (Versuch e. neuen
Theorie des Vorstellungsvermögens, 1789, S. 305 f.), BECK
Auszug III, 1796), FRIES (Neue Kritik I, 1828 f.) u. a., SCHOPENHAUER
als Wille u. Vorstell., I. Bd., K. 4), F. A. LANGE, J. BAUMANN (Lehren von
Raum u. Zeit, 1865, II, 653 ff.; der R. ist aber nicht bloß „subjektiv" und hat
ein empirisches Element: Elemente d. Philos. 1896, S. 103 ff.), 0. SCHNEIDER.
(TranszendentalpsychoL, 1891, S. 56 ff.), FR. SCHULTZE (Philos. der Natur-
wissensch., 1877, II), LIEBMANN (Zur Analysis der S. 51
4. A. 1911; Gedanken u. Tatsachen, 1882 ff.; II, 18 ff.), K. LASSWITZ U.
Als eine Kategorie fassen den R. auf G. THIELE (Philos. Selbstbewußt-
seins, 1895, S. 276 ff.), E. v. HARTMANN, H. COHEN („Die Allheit im Denken
erzeugt die des Raumes"; die Leistung des Raumes ist das Beisammen, Zu-
sammen, daß Logik, 1902, S. 162 ff.), RENOUVIER U. a. (vgl. NATORP,.
CASSIRER U. a., nach welchen der R. im reinen, synthetischen Denken ent-
Als Form des Objektiven, das aber selbst als Bewußtseinsinhalt oder aber
Manifestation eines an sich Geistigen gedacht wird, betrachten den R. FICHTE.
d. gesamten Wissenschaftslehre, S. 432 ff.; WW. II, 92 ff.), SCHELLING
(System des transzendentalen Idealismus, S. WW. I 6, HEGEL.
(der R. ist das „ganz ideelle Nebeneinander, weil er das Außersich-sein
ist", er ist eine „unsinnliche Sinnlichkeit", Naturphilos., S. 45 ff.;
§ 254 f.; VII, 44 ff.) u. a., SCHUPPE (Grundr. der Erkenntnistheorie u. Logik,.
1894, S. 13, 25, 58, 81 ff.), REHMKE, OPITZ, HEIM, H. CORNELIUS, HODGSON,
B. KERN (R. als Denkmittel), RENOUVIER (Nouvelle Monadologie, 1899,.
ff., 102) u. a. — „Subjektiv" (ideell) ist der R. nach HÖFFDING,.
P. CARUS, BRADLEY (Appearance and Reality8, 1897, S. 35 ff,), BERGSON (der
homogene R. ist nur eine durch das Bedürfnis des Lebens und Handelns be-
dingte Auffassung des Wirklichen, ein Netz, das wir über dieses -r
et memoire6, 1910, S. ff.; die Ausdehnung aber ist objektiv),.
VAIHINGER (der abstrakte R. ist eine zweckmäßige Fiktion; Philos. des Als-
ob, 1911), R. (der = eine Fiktion, ist nur „Bewegungsmöglich-
keit", Das Ganze der Philos., 1894, S. f.; vgl. HEYMANS: der R. =
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften