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540 Realismus.
R. (s. Materialismus) das Reale als materiell, körperlich, der
R. (s. Spiritualismus) als geistig, seelenartig (vgl.
der R. (s. Identitätstheorie) als oder
als das dem Psychischen und Physischen gemeinsam Zugrundeliegende,
tische, „Absolute" (s. d.). Der R. tritt (metaphysisch) allgemein als
mus (s. d.) oder (s. d.) auf, je nachdem er zwei Arten des Realer*
oder nur eine Art desselben annimmt (vgl. auch Pluralismus). Die
des R. sind die Unabhängigkeit des „Gegebenen" von unserem Willen, der
Zwangscharakter der Wahrnehmung, die Unableitbarkeit der objektiven
heiten und Einzelgesetzlichkeiten bloß aus dem erlebenden Subjekt, aus dem
Bewußtsein, die Unmöglichkeit, das fremde Ich (s. d.), zu dessen Wesen eben
aktiv-reaktives Erleben, eigenes Bewußtsein, selbständige Einheit und
gehören, als bloßen Inhalt unseres Bewußtseins aufzufassen, in das es sogar über-
haupt nicht eingeht (es wird anerkannt, postuliert, dem eigenen Ich an Seinswert
Die Annahme, Setzung, Forderung bewußt-
seinstranszendenter Faktoren der phänomenalen Objektenwelt ist als Mittel
zur vollen Begreiflichkeit objektiver, allgemeingültiger Erfahrung schwer ab-
zuweisen, so sehr auch der (kritische) Idealismus (s. d.) das Bezogensein alles
Objektiven als solchen (als Gegenstand mögücher Erfahrung, Erscheinung) auf
ein (begriffliches, abstraktes, ideelles, logisches) „Bewußtsein überhaupt"
Inbegriff apriorischer Geltungen) mit Recht betont, wobei er ausdrücklich
mindestens den „empirischen Realismus" (die Unabhängigkeit der objektiven
Erscheinungen von der einzelnen, psychologischen Subjektivität) anerkennt
(KANT, COHEN, RICKERT U. a.; vgl. Transzendent).
Der ästhetische R. fordert von der Kunst die Darstellung der Wirklich-
keit, des realen Lebens, ohne daß diese Darstellung aber sklavisch (im Sinne
des einseitigen Naturalismus) zu sein braucht.
Der Ausdruck „Realist" („realista") als Gegensatz zum Nominalisten findet
sich zuerst bei PETRUS (PRANTL, Gesch. d. Logik, 1853, IV, 221). Im
erkenntnistheoretischen Sinne wird der Ausdruck seit KANT gebraucht.
Den erkenntnistheoretischen R. vertreten die meisten älteren
wie DEMOKRIT, ARISTOTELES, die U. a., ferner die Scho-
lastiker, dann von den neueren BACON, HOBBES, LOCKE, DESCARTES,.
SPINOZA, LEIBNIZ (Ideal - Realismus), CHR. WOLFF, HOLBACH, LA-
METTRIE, DIDEROT, HERDER, GOETHE U. a. KANT verbindet den
„empirischen" Realismus mit dem transzendentalen Idealismus (s. d.)
und nimmt ein „Ding an sich" (s.d.) an. Einen „rationalen" R. lehrt
BARDILI (Gr. der ersten Logik, 1800), einen Ideal-Realismus SCHELLING,
auch SCHLEIERMACHER, LOTZE, HARMS, J. H. FICHTE,
ULRICI, CARRIERE, SCHOPENHAUER (S. Voluntarismus), HERBART, der seine
Lehre von den als „Realismus" (im metaphysischen Sinne) bezeichnet,.
BENEKE, L. BUSSE, F. ERHARDT, RIEHL, WUNDT R., Philos.
Studien, DORNER U. a., FEUERBACH, UEBERWEG, CARNERI U.
Kritische Realisten (verschiedener Art) sind ferner HELMHOLTZ (R.
Hypothese wertvoll), DÜHRING, BAUMANN, E. L. FISCHER, GUT-
BERLET, HAGEMANN, GEYSER, H. WOLF, BRENTANO,
MEINONG, KREIBIG, STÖHR, JODL, JERUSALEM, SIEGEL, STUMPF, RIEHL,
KÜLPE (Einleit. in d. Phüos.*, 1907, S. ff.; Die Philos. der
1904; I. Kant, 1907; Erkenntnistheorie u. Naturwissenschaft, 1910; Die
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften