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554 Reizbarkeit — Relation.
nachdem die Reizung von der Umwelt oder vom Organismus selbst ausgeht;
•die inneren Reize zerfallen in periphere und zentrale (vgl. EBBING-
HAUS, Grdz. der Psychol.8, 1911). Ferner gibt es „adäquate" (homologe)
„inadäquate" oder allgemeine und" spezifische Sinnesreize. Die Sinnes-
reize bestehen in physikalisch-chemischen Vorgängen, welche zu ebensolchen
Reaktionen führen, denen z. Teil psychische Prozesse entsprechen, koordiniert
sind. Letztere sind nicht die Produkte der Reize, sondern das „Innensein"
der durch jene ausgelösten Prozesse (vgl. Parallelismus, Identitätstheorie).
Psychischer Reiz ist ein Bewußtseinsinhalt, sofern eine Willensregung
einen psychischen Prozeß überhaupt auslöst, z. B. als
Reiz (ein Anschauliches, das Wohlgefallen erregt).
Vom Reiz („immutativum exterius") ist schon in der Scholastik die
Rede (THOMAS, Sum. theol. I, q. 78, a. 3), ferner bei F. GLISSON, A. V. HALLER,
BROWN U. a. — Vgl. BENEKE, Lehrb. d. S. 16, 42 WUNDT,
Grdz. d. phys. Psychol. I6, 1908, ff.; COHEN, der Infinites., 1882,
S. 154 (R. = die „objektivierte Empfindung"). — Vgl. Sinn, Psychophysik,
Webersches Gesetz, Reproduktion, Ekphorie, Normalreiz, Empfindung, Organ-
empfindung, Traum, Qualität, Intensität, Reflex.
Reizbarkeit s. Irritabilität. Vgl. WUNDT, Grdz. d. phys. Psychol.
1908, 105 ff., („Bereitschaft zur Umwandlung disponibler in aktuelle
infolge irgendwelcher Auslösungen").
s. Empfindlichkeit. Reizempfänglichkeit
ist die Fähigkeit, wachsenden Reizwerten mit der Empfindung zu folgen; sie
ist der „Reizhöhe" proportional. Vgl. WUNDT, Grdz. d. physiol. Psychol. I6,
1908, S. 560.
Reizhöhe ist das Reizmaximum, über welches hinaus die Empfindung
nur noch in Schmerz übergeht oder das Sinnesorgan zerstört wird. VgL
WUNDT, Grdz. d. physiol. Psychol. 1908, S. 599. Über „Reizumfang" vgl.
560.
Reizsehwelle s. Schwelle.
(recognitio): Wiedererkennung (s. d.), Identifikation des
Gedachten. Nach KANT ist sie eine Bedingung objektiver Erfahrung. „Ohne
daß das, was wir denken, eben dasselbe sei, was wir einen Augen-
zuvor dachten, würde alle Reproduktion in der Reihe der Vorstellungen
vergeblich sein. Denn es wäre eine neue Vorstellung im jetzigen Zustande, die
zu dem Aktus, wodurch sie nach und nach hat erzeugt werden sollen, gar
nicht gehörte, und das Mannigfaltige derselben würde immer kein Ganzes aus-
machen, weil es der Einheit ermangelte, die ihm nur das Bewußtsein ver-
schaffen kann" (Krit. d. rein. Vern., S. 118). Vgl. Apperzeption, Apprehension,
Reproduktion.
Relation (relatio): (s. d.), Verhältnis. Jede R. ist eine R. von
(Relationsgliedern) und enthält: ein zu Beziehendes, „subiectum relatio-
einen „Beziehungsgrund" („fundamentum und ein Glied, zu dem etwas
in Beziehung gesetzt wird („terminus r."). Die Beziehung ist (psychologisch)
Funktion der Apperzeption (s. d.), des aktiven, aufmerksamen Bewußtseins,
welches Teilinhalte oder Objekte aneinander hält und auf Grund von ge-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften