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584 Seele.
ihr genügt es, die Seele als einheitlichen Zusammenhang der Erlebnisse
aufzufassen oder als Fähigkeit eines Organismus, psychisch (s.d.) zu reagieren,
Erlebnisse zu haben und zu verknüpfen. Einer Seelensubstanz bedarf sie keines-
falls („Psychologie ohne Seele": F. A. LANGE). Philosophisch betrachtet zeigt es
sich, daß das erkennende Bewußtsein, das vom Objekt das Subjekt (s. d.),
Physischen das Psychische (s. d.) unterscheidet, dieses Psychische — den
begriff als „unmittelbar" erfaßten Erlebens — auf eine Einheit beziehen
Das Bewußtsein „setzt" sich so selbst als „Seele", als Einheit im Zusammen-
hange des dem „eigenen Ich" zugeschriebenen reaktiv-aktiven Erlebens. Und
diese Einheit, deren sich identisch Erhalten und innerlich-stetige, „schöpfe-
rische" Entwicklung zur Form des Erlebens gehört, wird unmittelbar als eine
lebendig-tätige, innerlich wirksame Einheit, als sich selbst durch beständige
Verwirklichung angestrebter Ziele entfaltende und steigernde Kraft („Ente-
lechie", s. d.) erfaßt, welche das ganze psychische Geschehen durchzieht und
von Grund aus bedingt, ohne freüich außerhalb des Erlebniszusammenhanges als
selbständiges, Wesen zu existieren. Auch ist diese „aktuose" Einheit
nicht einfach, sondern ihrem Inhalte nach gegliedert, ohne aber aus „Teilen" zu
bestehen; sie hat eine Art „organischen" Charakter, als ein Ganzes, von dem die
Einzelheiten stets bedingt so wie sie selbst es bedingen. Eine solche
ein einheitlich-zentriertes „Bewußtsein" (s. d.) haben nur Organismen (vgl.
Panpsychismus) und sie ist geradezu das „Innensein" oder „Fürsichsein" (oder
die „Selbsterscheinung") eines organischen Systems, bzw. ist letzteres die
„Außenseite", die „Objektivation", die mittelbare Betrachtungsweise eines als
„Seele" fungierenden Einheitszusammenhanges psychischer Aktionen und Reak-
tionen (s. Identitätstheorie). Der physische Organismus (s. d.) ist teüs die
äußere Erscheinungsweise ebendesselben, was für sich Seele ist, teüs auch die
Selbstverkörperung, der Niederschlag, die Selbstmechanisierung dessen, was
seiner alles Gewordene, Stabilisierte, Erstarrte immer wieder überragenden, ziel-
strebigen Entwicklung Seele engeren Sinne ist (vgl. Geist), die mit ihrer
sinnlichen, automatisierten Grundlage, dem „Leib" im engeren Sinne, in
Wechselwirkung steht (vgl. Leib), während das Körperliche als solches dem
Psychischen nur parallel geht, entspricht, zugeordnet ist (vgl. Parallelismus).
Über die S. als Lebensprinzip vgl. die Arbeiten von F.
E. RHODE (S. Psyche), SPENCER, WUNDT II 2, 1 ff., 123 ff.)
u. a. Als Lebenskraft tritt die S. in der („nephesch", IV. Mos.
6, 6), ferner im Buddhismus („akegerun"), bei HOMER (vgl. Odyss. X,
XXII: Unterscheidung von und
Als Lebenskraft, als Prinzip der Bewegung und Empfindung, das selbst als
bewegt und als aus einem feinen Stoff bestehend gedacht wird, erscheint die
S. bei den meisten griechischen Philosophen. So nach THALES, nach dem die
S. ein Bewegendes ist (AristoteL, De anima I 2, 405 a 19),
nach dem sie aus Feuchtem besteht (Aristot., De anima I 2, 405 b 2), während
sie nach ovoa ovyxgaxet Stobaeus I, 296)
DIOGENES VON APOLLONIA (Aristot., De anima I 2, 405 a 21 ff.) Luft, nach
HERAKLIT Feuer ist (1. c. I 2, 405 a 25 KRITIAS verlegt die S. in
Blut De anima I 2, 405 b 5), lehrt die Existenz eines
„Geiststoffes" (s. Geist). Nach DEMOKRIT (und LEUKIPP) ist die Seele ein sich
selbst und Bewegendes xal
vovxes xb nagexov xoXs (Aristot., De anima I
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften