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768 Willensfreiheit.
(„voluntas libere assentit cuilibet bono"). Gottes Wille ist absolut frei (In 1.
1, d. 1 ff., d. 8, q. 5; d. 39, qu. 5). Vgl. MINGES, Ist Duns Scotus
Indeterminist?, 1905; Der Gottesbegriff des D. Scotus auf seinen angeblich
Indeterm. geprüft, 1907 (s. Voluntarismus). — Die Frage, ob sich
der Wille für das Entgegengesetzte entscheiden kann, erörtert BURIDAN, hält
aber für nicht bestimmt lösbar (Eth. III, 2 f.; vgl. Buridans Esel). — Im
Sinne des Thomismus lehren später GUTBERLET W. und ihre Gegner,
1893), CATHREIN (Moralphiios. I, 28 ff.), HAGEMANN (Psychol.8, 1911), PH.
(Die W., 1898), A. (W. und moderner psychol. Determinismus,
1903), STÖCKL, COMMER U. a. (s. Scholastik).
Als Fähigkeit des Willens, seine Zustimmung zu etwas zu geben oder zu
versagen, sie zu suspendieren, bis die Einsicht klar ist, faßt die W. DESCARTES
auf (Meditat. IV, 36 f.; Princip. philos. I, 39 f.). Einen gemäßigten Indeter-
minismus (bzw. Determinismus) vertritt auch LEIBNIZ. Frei handelt der, dessen
Wille durch die Vernunft geleitet ist. Kein Wollen ohne zureichenden Grund,
ohne Motive, mögen sie z. Teil auch unterbewußt aber die Motive (s.
nicht, inklinieren nur („incliner necessiter") und in ihnen ist der
Geist selbst wirksam. Der Wille folgt immer den stärksten Motiven (MonadoL
79, 36; Theodizee § 45, 49; Philos. Hauptschriften I, ff.; Opera, ed. Erd-
mann, 517, 590 a, 761 b, 763 b). Ähnlich lehrt CHR. WOLFF (Psychol.
II, § 94, 899 ff.) u. a. — sind H. MORE, CLARKE,
REID, CRUSIUS, TETENS (Philos. Vers. II, 59, 64, 143) u. a.
Den kosmologischen verbindet mit dem psychologischen Determinismus
SPINOZA. Gott (s. d.) oder die „Substanz" handelt frei, d. h. gemäß seinen
Gesetzen und nur er ist eine „freie Ursache" („Deus ex soüs suae
naturae legibus et a coactus agit" (Eth. I, prop. XVII). Da alles aus
göttlichen (zeitlos) hervorgeht, so kann es nicht anders ausfallen
{I, prop. XXXII, In der sind die alle voneinander ab-
alles ist Wirkung einer Ursache — ins Unendliche. Auch unser
Wollen ist determiniert, auch wenn wir uns der Motive nicht bewußt sind,
worauf allein unser Freiheitsgefühl beruht (II, prop. f.;
Sittlich frei ist, wer der Vernunft folgt und so seine Affekte beherrscht
prop. VI, Daß nur das Handeln, nicht der Wille frei ist, betonen
HOBBES (De XI, De corpore c. 25, 12 f.; Treatise of liberty), LOCKE
concern. hum. understand. II, K. 21, § 7 ff.), HUME (Enquiry VIII,
1), HARTLEY (Observations I, PRIESTLEY (The doctrine of
necessity2, 1782, S. 7 ff.), CONDILLAC sur la § 18),
VOLTAIRE (Le philosophe ignorant XIII), VAUVENARGUES sur le
arbitre), DESTUTT DE TRACY, MAINE DE U. a. — Einen strengen Deter-
minismus vertreten HOLBACH („nous agissons de la
nature I, K. 11), HELVETIUS, LAMETTRIE U. a.
Einen psychologischen Determinismus (zum Teil mit indeterministischem
Einschlag), nach welchem das Wollen zu oberst durch den Charakter, die Per-
sönlichkeit, die Vernunft bestimmt ist, so daß der Mensch sittliche und Wahl-
freiheit, Selbstbestimmung hat, vertreten SCHLEIERMACHER (Dialektik, S. 150;
Psychol. S. 327), BENEKE (Lehrb. d. Psychol.8, § 362; System d. Metaphys.,
S. 337 ff.; Sittenlehre I, 510 ff.), HERBART (Zur Lehre von der Freiheit, 1836,
46 ff.; WW. I, 201 ff.; IX, 9 ff.; XII, 686, 704 ff.; Herrschaft der stärksten
Vorstellungsmassen), DROBISCH (Die moral. Statistik, 1867), FLÜGEL
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften