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faßt". „Also ist die Zahl nichts anderes, als die Einheit der Synthesis
Mannigfaltigen einer gleichartigen Anschauung überhaupt, dadurch, daß
die Zeit selbst in der Apprehension der Anschauung erzeuge" (Krit. d. reinen
Vernunft, S. 145, 118; Prolegomena, § 10). Hier liegt aber doch auch
Gedanke, daß die Zeit durch dasselbe Verfahren entsteht, welches die Zahl
zeugt, und in der 1. Auflage der „Krit. d. reinen Vernunft" wird die Zahl
überhaupt noch nicht zur Zeit in Beziehung gebracht. — Daß die Zahl
Anzahl) vom zeitlichen Vorgang des Zählens unabhängig ist, betonen
BART (Psychol. als Wissenschaft II, 1824/25, 162 f.), HUSSERL (vgl. Philos.
Arithmetik I, 1891, S. 24 Log. Untersuch. I, 1900, 171: die Z. ist
die „ideale Species, die . . . schlechthin eine ist, in welchen Akten sie
auch gegenständlich werden mag"), G. CANTOR (vgl. Mathem. Annalen
RUSSELL, COUTURAT (Philos. der Mathematik, 1908, S. 46 ff., 282
M. SIMON (Didaktik u. Methodik des Rechnens und der Mathematik2,
NATORP U. a. Das Zeitmoment betonen hingegen HELMHOLTZ
schrift, 1887), KRONECKER (1. c. S. 261 ff.) u. a.
Während nach J. ST. MILL (Logik I, 2, K. 6, § 2) u. a. die Z. durch
straktion von Gruppen (gleicher Objekte) entsteht (vgl. JERUSALEM, Die
teilsfunktion, 1895, S. 254 f.; Der kritische Idealismus, 1905, S. ff.: Gruppen
gleicher Objekte veranlassen zur Wiederholung ein und derselben
urteile), wird von anderen Z. nur von Denksetzungen und deren Synthesen
abgeleitet, teils psychologisch, teils rein logisch. So WUNDT (Logik
ff.; 199 ff.; 3. A. 1906), HÖFFDING (Der menschliche Ge-
danke, 1911; „Synthese identischer Verschiedenheiten"), SCHUPPE, SIG-
WART (Logik 4. A.1911), G. F. LIPPS (Philos. Studien
FREGE (Die Grundlagen der Arithmetik, 1884), DEDEKIND (Was sind und was
sollen die Zahlen? 2. A. 1893) u. a., NATORP (Die logischen Grundlagen
exakten Wissenschaften, 1910, S. 98 ff.), DRIESCH 1912) u.
Nach COHEN bedeutet die Z., welche ein reines Denkerzeugnis ist, dem „Urteil
der Realität" entspringt, und deren Leistung die Setzung diskreter Elemente
das methodische Mittel zur Erzeugung des Gegenstandes der Erfahrung
1902, S. ff.; auch NATORP, CASSIRER U. a.; vgl.
Wissenschaft u. Wirklichkeit, 1912; Unendlichkeit, Realität). — Nach
entspringt die Z. der Verbindung der formalen Logik mit reinen
schauung (Kants krit. Idealismus, 1908, S. 132 ff.).
Nach E. MACH besteht jede Z. in der Ausführung einer Operation;
arithmetischen Sätze drücken „Äquivalenzen von Ordnungstätigkeiten"
Die Rechnungsoperationen haben den Zweck, das direkte Zählen zu
(Erkenntnis u. Irrtum, 2. A. 1906, S. 318 f.). Nach STALLO sind die Zahlen
„Gruppen oder Reihen intellektueller Apprehensionen ohne Bezug auf deren
Inhalt" (Die Begriffe und Theorien der Physik, 1901, S. 273 ff.).
RIBOT, OSTWALD (Grundr. d. Naturphilos., S. 87 ff.), nach welchem
Zählen in der Zuordnung je eines Gliedes einer Gruppe den
den Gliedern der Zahlenreihe besteht (so auch nach anderen). Vgl.
PETER, Der Phänomenalismus, 1913.
Zum Wesen Dinge machen die Z. die Pythagoreer. Die Dinge
ihren Verhältnissen sind Abbilder oder „Nachahmungen" der Zahlen, deren
Prinzipien das Gerade und Ungerade oder Unbegrenzte und
grenzte sind und die selbst aus der Einheit hervorgehen..
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften