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Handwörterbuch der Philosophie
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788 eine „ewige Wahrheit" (Nouv. Essais II, K. 14, § 15 ff.; Philos. Haupt- schriften I u. II). Als Ordnung des nacheinander Folgenden bestimmen die Z. auch CHR. WOLFF (Ontolog., § 572, BAUMGARTEN (Metaphys., § 239) u. a. Auch nach KANT ist die Z. eine Ordnungsform, aber weder eine empirisch gegebene Ordnung von Dingen oder Vorgängen an sich, noch eine bloße Be- stimmtheit der individuell-subjektiven Erlebnisse, sondern die Form, in welcher wir alles, was Gegenstand der Erfahrung werden kann, anschauen und denken müssen, eine apriorische „Anschauungsform" (s. d.), welche zwar nur für „Er- scheinungen" (s. d.), für diese aber allgemein und notwendig gilt (vgl. De mundi sensibili . . ., § 14). Die Z. ist kein empirischer Begriff, „denn das Zu- gleichsein oder Auseinanderfolgen würde selbst nicht in die Wahrnehmung kommen, wenn die Vorstellung der Zeit nicht a priori zum Grunde läge". Die Z. ist eine notwendige, allen Anschauungen a priori zugrundeliegende Vor- stellung, und auf diese Notwendigkeit gründet sich die Möglichkeit arith- metischer Axiome (s. d.). Die Z. ist nichts „Diskursives", sondern eine „reine Form der sinnlichen Anschauung"; alle bestimmte Zeitgröße ist nur durch Einschränkung einer „einigen zum Grunde liegenden Zeit" möglich. Die Z. besteht nicht an sich, sondern ist (zunächst) die „Form des innern Sinnes, d. i. des Anschauens unserer selbst und unseres innern Zustandes". Sie ist die Bedingung a priori" zunächst der inneren (psychischen) und mittelbar auch der äußeren Erscheinungen. A priori können wir daher sagen: „alle Er- scheinungen überhaupt, d. i. alle der Sinne, sind in der Zeit", trotzdem die Z. keine „absolute" Wirklichkeit hat, d. h. nicht an sich, un- abhängig von möglicher Anschauung der Dinge besteht; insofern ist sie „sub- jektiv" (ideell) und hat trotz ihrer „transzendentalen Idealität" zugleich „empi- rische Realität", d. h. „objektive Gültigkeit in Ansehung aller Gegenstände, die jemals unseren Sinnen gegeben werden mögen. Psychologisch ist die Z. nicht angeboren, sondern „durch Veranlassung der Wahrnehmungen" gegeben (Krit. d. rein. Vern., S. 60 ff., 374). Die Einheit der Zeit, die des objektiven Zeitzusammenhanges ist logisch, durch das synthetische Denken und dessen Grundsätze bedingt (vgl. Kausalität, Objektiv; vgl. ferner Schema, Ich, Wahrnehmung, Zahl). — Daß die Z. die Form der An- schauung überhaupt, nicht bloß des innern Sinnes ist, betont FRIES (System d. Logik, 1811, S. ff.; vgl. später REININGER, Kants Lehre vom innern Sinn, 1900; Philos. des Erkennens, 1911; vgl. Wahrnehmung, innere). — Ideell ist die Z. nach FICHTE, der sie aus der produktiven Einbildungskraft ableitet (Gr. der gesamten Wissenschaftslehre, S. 179, 444 f.) und später die Z. als Er- scheinung des „Lebens über aller Zeit" (WW. IV, 409; VI, SCHELLING, nach welchem die Z. das Ich selbst als in Tätigkeit gedacht ist (System d. transzendental. Idealismus, S. 213 ff.; vgl. WW. 1 5, 648; I 6, 45, 220, 672; II 3, 307). Nach SCHOPENHAUER ist die Z. apriorisch, rein sub- jektiv, ideell, gehört der bloßen Vorstellung an, nicht dem Ding an sich, dem zeitlosen „Willen". Die Z. ist nur „unser eigener, ungestört forstschreitender, mentaler Prozeß" (Parerga II, § 29, 142 f.). Nach HEGEL ist die „Idee" (s. d.) zeitlos. Die Z. ist durch den Prozeß der endlichen Dinge gesetzt, eine Folge desselben, nichts Primäres. Nur das Natürliche ist der Zeit Untertan, das Wahre aber, die Idee, der Geist ist ewig; der „Begriff" ist die „Macht der Zeit", von ihr unabhängig. Die Z. ist das Werden selbst, das beständige „Sich-auf- heben", das „an sich selbst Negative", das „angeschaute Werden", das „un-
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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