Page - 793 - in Handwörterbuch der Philosophie
Image of the Page - 793 -
Text of the Page - 793 -
Zweck.
Der Z. ist durch den gesetzt, denn erst dadurch, daß etwas gewollt,
ein« „Willensziel" wird, charakterisiert es sich als Zweck. Von den unmittel-
baren, immanenten ist aber der Zweck des zu
unterscheiden. Auf die Frage: zu welchem Zwecke (wozu) tut man
lautet die Antwort: der Zweck dieser Handlung ist die Verwirklichung dieses-
und jenes Willenszieles, welches eben nur unter der Bedingung der Handlung,
durch diese, „vermittelst" ihrer zu realisieren ist. Jetzt haben wir erst
Begriffe Zweck und Mittel (s. d.) und verstehen unter dem Zweck einer Hand-
lung eine im Bewußtsein vorweggenommene (vorgestellte oder gedachte) Ände-
rung, deren gefühlsbetonte Vorstellung den Willensimpuls zu einer
(inneren oder äußeren) Handlung auslöst. Alle unsere besonderen Zwecke sind
als Bedingungen anderer Willensziele, die sich insgesamt zur
heit oberster Zielsetzungen oder eines Endzwecks verbinden. Ein
ein ursprüngliches Grundziel geht allen auf Grund von Erfahrung entstandenen
Zielstrebigkeiten voraus, läßt uns alles das anstreben, was als Mittel
Befriedigung des Grundstrebens geeignet erscheint oder sich als geeignet,
„zweckmäßig" erweist, mögen auch vielfach diese Mittel selbst zu Zwecken
(„Selbstzwecken") werden. Wie immer auch Zwecke und Zweckmäßigkeiten
besonderer Art entstehen mögen, welchen Anteil an dieser Entstehung auch
die Erfahrung, der „Zufall", das Milieu, die Selektion usw. haben mögen,
Grundstreben mit einem immanenten, allgemeinen Ziel u.
trägt das Ganze, ist permanent wirksam. Zielstrebigkeit in diesem
immanenten Sinne, als Streben nach Erhaltung, bzw. Veränderung des
Zustandes, ist die aller sekundären Zwecke und aller Zweck-
mäßigkeiten. In Verbindung mit einer primären Erhaltungsfähigkeit der
Wesen, äußeren und inneren Anpassungsreaktionen erzeugt
und ontogenetisch ein immer deutlicheres, umfassenderes,
Zweckbewußtsein und eine fortschreitende d. h. Organe
und Funktionen, welche geeignet sind, die verschiedensten Arten von Zielen
des Strebens und Wollens verwirklichen zu lassen. Nehmen wir —
physisch — an, daß ein elementares Streben allem relativ selbständigen
Wirklichen primär zukommt, mag es auch z. Teil automatisiert sein (s. Mecha-
nisierung, Panpsychismus, Voluntarismus), dann ergibt sich ein
eine universale Teleologie immanenter Art, eine
(PAULY). Hiernach ist die bewußt-aktive Zwecksetzung und
lichung Wesen von den Reaktionen der niedersten Wesen
graduell verschieden. Überall in der gibt es Zielstreben und
Strebenziele, da aber die strebenden Einheiten miteinander in Konflikt
raten, einander hemmen, stören, vernichten, da die Verwirklichung der Strebens-
vielfach auf Hindernisse stößt und oft nicht gelingt, so gibt es
bloß (relativ) Zweckmäßiges, sondern auch (relativ) Unzweckmäßiges (vgl.
Die zur Zielverwirküchung sind großenteils nicht von vornherein ge-
geben, müssen erst erworben, durch das Zusammenwirken
Wesen und ihres Milieu zur Entwicklung gelangen (vgl. Entwicklung).
Diese Teleologie ist nicht „dualistisch", d. h. sie ist weder antikausa-
listisch noch antimechanistisch, noch führt sie besondere „Zweckursachen"
den „Wirkursachen" ein. Alles in der geschieht vielmehr zugleich
und und alle Kausalität der (äußeren) Natur ist, vom Standpunkt der
äußeren Erfahrung betrachtet, (im weiteren Sinne, also
back to the
book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften