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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Vereinigten Staaten für ihr Eingreifen in den europäischen Konflikt umgetan
haben, liegen imperialistischeMotive von einer Stärke verborgen, wie sie in-
tensivernichtderärgsteWelterobereraufweisenkann.“47
Damit reagiertemanimBereichderMittelmächteauchaufdie Intentionder
Alliierten beziehungsweise der Entente, mit dem Sturz des Zaren ihr haupt-
sächlichgegendasHohenzollern-unddasHabsburgerreichgerichtetesBündnis
als„Feld-oderKreuzzugderDemokratie“unddesLiberalismuszuidealisieren.
Unter den spezifischen Bedingungen einesmittlerweilemehrjährigen bewaff-
netenKräftemessens tauchten dieÜberlegungen Bernsteins bezüglich Frank-
reich inneuemGewandewieder auf,wenndieCentinjerZeitung etwa schrieb:
„Eine unbefangene Betrachtung der Geschichte zeigt, daß der Imperialismus
keineswegsdieAusgeburteinerbestimmtenStaatsformist,undesgibtunzählige
Beispiele von früher wie von jetzt, daß seine Idee völlig unabhängig von der
VerfassungdesStaates ist, dereinePolitikderAusbreitung treibt.“48
Wenig später stimulierte die Donaumonarchie an der Seite des Deutschen
Reichesallerdings inbesondererWeisediegängigenPropagandaargumentedes
Gegners.DerVorwurf stand imRaum, inbeispielloserWeisedem„imperialis-
tischenExpansionismus“zufrönen.DennobwohlKaiserKarlundseineengsten
Berater zumindest Annexionswünschen des Hohenzollernreiches Einhalt ge-
bieten und der seit der Oktoberrevolution 1917 bestehenden russischen So-
wjetregierung unter LeninKonzessionsbereitschaft signalisierenwollten49, ge-
rietÖsterreich-Ungarn imZugeder nachfolgendenEreignisse vollends in das
Fahrwasser desmächtigenVerbündeten. Deutsche und österreichisch-ungari-
schenTruppenbegannen inder zweitenFebruarhälftemit neuenOperationen
undmarschierten bisAnfangMai 1918weit nachOsten, in dieUkraine, nach
RostowamDon,aufdieKrimundspäter auchnoch indenKaukasus.50
Der am 3.März 1918 mit dem ,Oktoberregime‘ geschlossene Frieden von
Brest-Litowsk und die Ausdehnung dermilitärischen Einflusszonen brachten
teilweisehöherentwickelteoderagrarischwertvolleRandgebiete imWestendes
untergegangenen Zarenreiches unter die Kontrolle der Habsburgermonarchie
unddesHohenzollernreiches. Dasmittlerweile nachMoskauübersiedelteKP-
Führung verstand diese gewaltigen und innenpolitisch nur schwer zu vertre-
tendenEinbußenwiederumalsPreis fürdasStillhaltendesGegnersundsomit
als ,Atempause‘zurKonsolidierungdereigenenHerrschaftbeziehungsweiseals
47 CentinjerZeitung75(03.05.1917), S. 1.
48 CentinjerZeitung75(03.05.1917), S. 1.
49 Manfried Rauchensteiner, Der Tod des Doppeladlers.Österreich-Ungarn und der Erste
Weltkrieg,Graz1993,S. 527und537ff.
50 WolframDornik, Besatzungswirklichkeit(en), in: Hannes Leidinger/VerenaMoritz/Karin
Moser/ders. (Hg.),Habsburgs schmutzigerKrieg. Ermittlungenzurösterreichisch-ungari-
schenKriegsführung1914–1918,St.Pölten2014,S. 171–189,hierS. 183.
WardieHabsburgermonarchieein Imperium? 39
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918