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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
schenKonzessionenundReformenerkauftwerden:SofolgtenderNiederlageim
italienischenKriegvon1859dasEndedesNeoabsolutismusunddieEinführung
derKonstitutionsowiedergewähltenParlamenteaufReichs-undLänderebene.
Dem Debakel in dem Krieg von 1866 folgte der dualistische Ausgleich, der
langfristig die imperiale Position des Habsburgerreiches und seinen inneren
Zusammenhaltunterminierte.
Bereits bei diesen zwei Punkten treten die Völker und die werdendenNa-
tionen des Habsburgerreiches im 19. Jahrhundert als neue Größen, Entitäten
undAkteureindenVordergrund,diedenModusdesimperialenFunktionierens
derDonaumonarchie weitgehendmitprägten. Innerhalb von Jahrzehnten for-
miertensichneueElitengruppen,welcheneueInteressen–undDesinteressen–,
aber auchDenkweisen undHandlungslogikenmit entsprechendemGeltungs-
anspruch formulierten. Es ist weitgehend bekannt, dass die außenpolitischen
Misserfolge der Monarchie unter den liberalen und national-liberalen Füh-
rungsschichteneherHoffnungenauf einen innerenKurswechsel hervorriefen.9
Diesbedeutete allerdingsnicht, dass sieden innerenZusammenhaltundsogar
den imperialen Status derMonarchie prinzipiell in Frage gestellt hätten.We-
sentlich neu war die Tatsache, dass das imperiale Zentrum ungefähr seit der
Mitte des 19. Jahrhunderts nichtmehr den ständischenRepräsentationenund
Oppositionen einzelnerKronländer undProvinzen begegnete, sondern denen
der sichweitgehendnationalisierendenGesellschaften. Sie bestimmtenzuneh-
menddenpolitischenundgesellschaftlichenDiskurs, beherrschtenallmählich
dieMedienlandschaft underreichtenbis zumEndedes Jahrhunderts einebei-
nahekonkurrenzloseFähigkeit zurMassenmobilisierungvonMenschen.
DiemeistenderNationalbewegungenerreichtenum1848oder inden1860er
JahreneinenPunkt, indemsievoneinerethnisch-nationalenAgitationzueiner
politischenundkulturellenMassenbewegungübergingen.Diesbetrafvorallem
jeneBewegungen, die ausdennichtdominantenethnischenGruppen10hervor-
gingen oder diese als ihre Adressaten sahen. Vor diesemHintergrund unter-
schiedensiesichvondendeutschsprachigenGruppen,derenaktiveAngehörige
dann teilweise an der großdeutschen nationalliberalen Bewegung teilnahmen.
Die deutschsprachigen Gruppen dominierten die Monarchie kulturell und
9 So z.B. Helmut Rumpler,Österreichische Geschichte 1804–1914. Eine Chance fürMittel-
europa. Bürgerliche Emanzipation und Staatsverfall in der Habsburgermonarchie, Wien
2005,S. 372–373.
10 Gerald Stourzh,DieGleichberechtigungderNationalitäten inderVerfassungundVerwal-
tungÖsterreichs1848–1918,Wien1985,S. 4–6,operationalisiert auchalsdie sog. „kleinen
Völker“ (im typologischen, nicht statistischen Sinne). Weitgehend bereits bei Miroslav
Hroch, DieVorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinenVölkern Europas. Eine
vergleichendeAnalyse zur gesellschaftlichen Schichtungder patriotischenGruppen (Acta
UniversitatisCarolinae,24),Prag1968,S. 16–17,anschließendauchinderweiterenLiteratur
derhistorischenNationalismusforschung.
DieHabsburgermonarchie–ein ImperiumihrerVölker? 51
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918