Page - 53 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Image of the Page - 53 -
Text of the Page - 53 -
© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
inderDonaumonarchieaufeinebesondereWeisebemerkbar–hiermitAkzent
aufdie erstereDimension,die imPlural zudenkenwar.
MitHinblickaufdieBeziehungzumimperialenStatusdesHabsburgerreiches
istallerdingszwischenzweiGruppenvonNationalbewegungenundpolitischen
Nationalprogrammenzuunterscheiden.ZurerstenGruppegehörten jeneVöl-
ker beziehungsweise Kulturnationen, die einen dominanten beziehungsweise
semidominantenStatusgenossenund/oderdiesichwährendderzweitenHälfte
desJahrhundertsbereitsaufeinennationalen,Mutterstaat‘orientierenkonnten.
In diesen Fällen kannman in der Regel viel weniger von einem eigenen, der
nationalen Programmatik immanenten Imperialprogramm für Österreich
sprechen. Ihre Strategien erhieltendeutliche irredentistischeZüge, auchwenn
mit sehr unterschiedlicher und wechselnden Intensität und Form: Es domi-
niertentypisch irredentistischeTendenzen inder italienischen, serbischenund
später teilweise auch rumänischenBewegung.Die polnischeBewegung inGa-
lizien, voneinerkonservativenpolnisch-nationalenElite repräsentiertunddo-
miniert, basierte zwar auf einemKompromiss, wenn nicht Bündnismit dem
WienerZentrum,undartikuliertesichineinerbetontenStaatstreuenichtnurals
Taktik,sondernauchalsStrategie, insbesondereundgeradeindenJahrzehnten
nach demmisslungenen Januaraufstand imbenachbartenKönigreich Polen,14
denndie,organischeArbeit‘hattemindestensfüreineGenerationdieOberhand
gewonnen,unddieswohlnirgendwomitsolcherEindeutigkeit,wieesinGalizien
derFallwar.ZwarbegannmitdenneuenGenerationenseitden1880erJahrendie
,konspirativ-aufständische‘ Linie der Bewegung wieder ihren Einfluss zu er-
obern, doch orientierten sich auch ihreVertreter inGalizien auf eine Zusam-
menarbeitmitdemHabsburgerreich.
Dennoch:Das langfristigeZiel,obwohl fürmanchehinterdemHorizontder
absehbarenZeit verborgen,bestand ineinerWiederherstellungderpolnischen
Staatlichkeit, auch wenn dies im Bündnis mit Habsburg oder sogar als ein
habsburgisch regiertes Land geschehen sollte – eine Strategie, die bis zu den
letztenMonaten des ErstenWeltkriegs nur langsam anAnziehungskraft und
Relevanz verlor.15Trotzdem stellte dasHabsburgerreich nicht dasObjekt und
14 Vgl. z.B. StanisławGrodzisk, Studia galicyjskie.Rozprawy iprzyczynkidohistorii ustroju
Galicji (Regiony,historia, kultura, 3),Krakau2007,S. 291–307.
15 Jerzy Gaul, The Austro-Hungarian Empire and Its Political Allies in the Polish Kingdom
1914–1918,in:AndreasGottsmann(Hg.),KarlI.(VI.).DerErsteWeltkriegunddasEndeder
Donaumonarchie (PublikationendesHistorischen InstitutsbeimÖsterreichischenKultur-
foruminRom.Abhandlungen, 14),Wien2007,S. 203–221;TamaraScheer,Österreich-Un-
garnsBesatzungsmacht inRussisch-PolenwährenddesErstenWeltkriegs (1915–1918), in:
Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 58/4 (2009), S. 538–571; zuletzt insbesondere
StephanLehnstaedt,ImperialePolenpolitikindenWeltkriegen.EinevergleichendeStudiezu
denMittelmächtenund zuNS-Deutschland (EinzelveröffentlichungendesDeutschenHis-
torischenInstitutsWarschau,36),Osnabrück2017.
DieHabsburgermonarchie–ein ImperiumihrerVölker? 53
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918