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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
vordieesseineBevölkerungstellte. ImLichtderTagungsbeiträgehabeichmein
Diskussionspapiervon2015ergänzt.WieichfürdieZweckedesWorkshopsdas
mirgestellteThemaauffasste,bedarfderErläuterung.InersterLiniegingesmir
darum,diePerspektivederAkteureherauszuarbeiten.EineumfassendereEin-
ordnungverlangt jedochauchdanach,dieexpost formuliertenEinschätzungen
der Konzeptionen und Handlungsmuster zu berücksichtigen und zwar am
besten unter Einschluss der Lernprozesse und Deutungsversuche der Zeitge-
nossen. Der Rückblick aus der Kriegszeit auf die Vorkriegszeit oder aus der
Zwischenkriegszeit auf die Jahrzehnte zwischen 1867 und 1918 spielt daher
grundsätzlich eine bedeutende Rolle. Bei aller gebotenen quellenkritischen
Vorsicht, sind die Deutungsmuster der Zeit nach 1918 also grundsätzlich
durchausderBerücksichtigungwert.
Die vorgegebene Leitfrage nach der Notwendigkeit der Expansion könnte
auchsoverstandenwerden,dassdieAnalyseder internationalenKonstellation
und/oderderinnen-undverfassungspolitischenProblemlagendenMaßstabfür
eine Evaluierung österreichisch-ungarischer Expansionspolitik seit demAus-
gleich liefern sollte. So ist die Themenstellung vermutlich nicht gemeint und
wird vonmir jedenfalls nicht so verstanden, aber tatsächlich bieten beispiels-
weisePaulW.SchroedersArbeitenAnsatzpunkte einer solchen systembezoge-
nen Bewertung, an die sich anknüpfen ließe, ohne (allzu) anachronistisch zu
argumentieren.3Zumindest sollte zurDiskussion gestellt werden,wie die Ein-
schätzungderExpansionsabsichtennichtnurdurchdieZeitgenosseninnerhalb
wieaußerhalbÖsterreich-Ungarns,sondernauchinderhistorischenBewertung
ausfallenkönnte.
BeieinerBetrachtungdesGesamtzeitraumsvon1867bis1918istesmehrals
naheliegend,dieÜberlegungenzurExpansionderHabsburgermonarchieindrei
unterschiedlichePhasenzugliedern: zunächst einmal imVorfeldderOkkupa-
tion Bosnien-Herzegowinas, dann von 1878/79 bis zumKriegsausbruch 1914
undschließlich fürdieKriegszeit selbst.DerStellenwertvonExpansionspolitik
ist dabei jeweils ein grundsätzlich anderer und daher kommen auch Begrün-
dungsstrategien und Realisierungsversuchen von Phase zu Phase sehr unter-
schiedlicheGradeanpolitischerRelevanzzu,selbstwenndiezentralenTopoider
Legitimationsversucheüber diese Einschnitte dermachtpolitischenKonstella-
tionhinwegweiterVerwendungfinden.Weil imBeitragvonStephanLehnstaedt
dieKriegszeitausdrücklichindenFokusgerücktwird,werdeichmichindiesem
3 PaulW.Schroeder,StealingHorsestoGreatApplause:Austria-Hungary’sDecisionin1914in
SystemicPerspective, in:HolgerAfflerbach/DavidStevenson(Hg.),AnImprobableWar.The
OutbreakofWorldWar IandEuropeanPoliticalCulturebefore1914,NewYork2007,S. 17–42;
vgl. auchPaulW.Schroeder,EmbeddedCounterfactualsandWorldWarIasanUnavoidable
War,in:ders.,Systems,Stability,andStatecraft.EssaysontheInternationalHistoryofModern
Europe,NewYork2004,S. 157–191.
GüntherKronenbitter88
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918