Page - 121 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
zu einemwichtigen Teilkonflikt des GroßenTürkenkriegs.10DenVenezianern
gelangesindessenVerlaufnichtnur,dieseitmehralseineinhalbJahrhunderten
zumOsmanischenReichgehörendeHalbinselPeloponneszubesetzen,sondern
auch in der Bucht vonKotor die osmanischeHafenfestungHercegNovi (Cas-
telnuovo) unddie StadtRisan (Risano) zu erobern,wodurchdasOsmanische
ReicheinenherbenmarinestrategischenRückschlagerlitt, verloresdochseine
bestgeschütztenAdriahäfen.
NachdemsichdasKriegsglückmit derZweitenSchlacht beiMoh#cs (1687)
und demFall Belgrads (1688) auch imNorden gegen die Osmanen gewendet
hatte,stießenkaiserlicheTruppentief inosmanischesTerritoriumvor.ÜberNisˇ
rücktendieKaiserlichenimHinterlandweitnachSüdenvor,bisnachPrishtina
undSkopje. AuchPejawurde eingenommen.VenezianischeTruppen landeten
derweil an der albanischenKüste undbesetzten zudembei nur geringemWi-
derstandTeilederHerzegowina.11
Doch hatte sich diemilitärische Lage derHabsburger, der Venezianer und
ihrer christlichen Verbündeten imOsmanischen Reich bereits kurz nach der
EinnahmeBelgrads1688erheblichverschlechtert:KeinedreiWochennachdem
Fall Belgrads waren französische Truppen imHeiligen Römischen Reich ein-
marschiert und eröffneten damit den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697).
DieHabsburgerhattennuneinenZweifrontenkriegauszufechten.AlsMitte1689
dasGrosderkaiserlichenArmeeausSüdosteuropaandenRheinverlegtwurde,
bot sich den Osmanen die Gelegenheit für eine umfassende Gegenoffensive.
Belgradwurde bereits 1690 zurückerobert. Diemit den Kaiserlichen verbün-
deten SüdslawenundAlbanerwurdenOpfermassiverÜbergriffe der osmani-
schenTruppen,die schließlichzueinerMassenfluchtvonvermutlichmehreren
zehntausendChristen, vor allemorthodoxer Serben ausMetochien, insHabs-
burgerreichführten.12NachdemEndedesPfälzischenErbfolgekriegs1697ging
die Initiative inSüdosteuropawieder andieKaiserlichenüber. Inder Schlacht
vonZenta(1697)erlittendieOsmanendieverheerendstemilitärischeNiederlage
ihrerGeschichte,diekaiserlicheArmeedrangbisnachSarajevovor,wonichtsals
verbrannte Erdehinterlassenwurde.13Doch zu einemerneutenVorstoßhabs-
10 „Morea“ ist die seit demMittelalter übliche romanische Bezeichnung der griechischen
HalbinselPeloponnes.
11 Siehe dazuMoriz vonAngeli, Beiträge zur vaterländischenGeschichte: II. Die kaiserliche
Armeeunter demOber-CommandodesMarkgrafen Ludwig vonBaden in denFeldzügen
1689–92gegendieTürken, in:Mittheilungendesk.k.Kriegs-Archivs2 (1877), S. 136–292;
Raimund Gerba, Die Kaiserlichen in Albanien 1689, in: Mittheilungen des k. k. Kriegs-
Archivs, Neue Folge 2 (1888), S. 115–178 u. Carl Peez, Mostar und sein Culturkreis: Ein
StädtebildausderHercegovina,Leipzig1891,S. 225.
12 AlexandruMadgearu,TheWarsof theBalkanPeninsula:TheirMedievalOrigins, Lanham
2008,S. 24.
13 Marie-JanineCalic, Südosteuropa:WeltgeschichteeinerRegion,München2016.
DerDrangnachSüden 121
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918