Page - 134 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Rumpfregierung.K.u.k.-AußenministerStephanBuri#nvonRajecz(1851–1922)
wollteMontenegro alsKönigreich fortbestehen lassen, jedochnur in seinenun-
gefährenGrenzenvon1878–dasKüstengebiet, vor allemnatürlichderLovc´en,
und einige weitere militärische wichtige Gebiete sollten anÖsterreich-Ungarn
abgetreten werden.58 Nach den Vorstellungen des Armeeoberkommandos war
hingegendie vollständigeAnnexiondes gesamtenmontenegrinischen Staatsge-
biets die wünschenswerteste Lösung. Falls dies nicht durchsetzbar sei, so zu-
mindest eineAnnexion eines großenTeils des küstennahen,westlichenMonte-
negro. ImverbleibendenRumpfmontenegromitderHauptstadtPodgoricasollte
die österreichisch-ungarische Armee – „bei der militärischen Bedeutung, die
Montenegro in Zukunft für uns habenwird“59 – all das bauen und einrichten
dürfen,wassiefürnotwendighalte.LetztlichverlangtedasArmeeoberkommando
einProtektoratüberdasbesetzteKönigreich:
„Wenn schon die allein rationelle Lösung durch Annexion nicht zur Durchführung
gelangt,somußdochMontenegroseineeffektiveSelbständigkeitverlieren,esdarf ihm
nurmehreinenominelle, eineScheinsouveränitätbelassenwerden. […]
Fügt sichMontenegrodenvitalenForderungenderMonarchienicht, dannbleibtder
Monarchieebennichtsübrigalsdie[…]radikale,sichersteundzweckmäßigsteLösung
in FormderAnnexion, die allein imstandewäre, eine jahrzehntelangeCelle der Be-
unruhigunganunsererBalkangrenzeunddenUrsprungsteterVerlegenheitenendlich
ausderWelt zuschaffen.“60
DabeibetontedasArmeeoberkommandovorallemdiestrategischeBedeutung,
die das Gebiet des KönigreichsMontenegro für die Fortführung des Krieges
gegen die italienischen Streitkräfte in Albanien hatte. Ohne die Kontrolle der
durchMontenegro führendenNachschubwegehättendieKampfhandlungen in
Albanieneingestelltwerdenmüssen:„EinesderwesentlichenInteressen,deren
Wahrung bei einem Friedensschlußmit Montenegro in Betracht kommt, ist
unsereverlässliche, gesicherteVerbindungmitAlbanien. […].“61Dabei spielte
auchdiegroßeRolleAlbaniens inBuri#nsKonzeptioneneineRolle.62FürTisza
wiederum–dergegenübereinemdeutschenDiplomatengeäußerthatte,dasser
„nicht immer gleicherAnsichtmit Burian“ sei –warAlbanien bedeutungslos,
der ungarischeMinisterpräsident hatte aber eine „milde BehandlungMonte-
58 ÖstA,KA,Militärkanzlei SeinerMajestät (MKSM),Karton1253, 69–13/19adex1916,Ent-
wurf einesErlassesandenk.u.k.GesandtenEduardOtto (Januar1916).
59 ÖStA, KA,MKSM, Karton 1253, 69–13/19 ex 1916, Brief Erzherzog Friedrich an Buri#n
(22.01.1916).
60 BriefErzherzogFriedrichanBuri#n(wieAnm.59).
61 BriefErzherzogFriedrichanBuri#n(wieAnm.59).
62 Siehe dazuMarvinBenjaminFried, TheCornerstoneofBalkanPowerProjection.Austro-
HungarianWarAimsandtheProblemofAlbanianNeutrality,1914–1918, in:Diplomacy&
Statecraft 23 (2012), S. 425–445.
HeikoBrendel134
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918