Page - 136 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
2.000Kilometer vomSuezkanal undweniger als 1.000Kilometer vonMalta –
damit waren Feindfahrten auf allen wichtigen Handelsschifffahrtsrouten der
EntenteimMittelmeermöglich.DieseenormeAufwertungKotorswarnurdurch
dieösterreichisch-ungarischeEroberungdesLovc´enmöglich geworden–und
derdamiteinhergehendenSicherheit,dassdiemachtvollenGeschützstellungen
auf dem Berg auf absehbare Zeit nicht von einer feindlich gesinnten Macht
kontrolliertwerdenwürden.
Gleichzeitigwurdedie inZelenikaendendeSchmalspurbahndurchBosnien
und die Herzegowina sowie Dalmatien für den Nachschub der Besatzungs-
truppeninMontenegroundvorallemauchAlbanienunerlässlich(sieheAbb.2).
DennweiterimSüdenhattenösterreichisch-ungarischeTruppenam28.Februar
1916Durr[s(Durazzo)besetzt.ZwischenDurr[sunddem100Kilometerweiter
südlich gelegenen Vlora kam der Vormarsch des k.u.k. 19.Korps dann auf-
grundnicht vorhandenerEisenbahnlinien, schlechter Straßenverhältnisse und
ungünstiger Witterungsbedingungen ins Stocken, denn die Fronttruppen
konnten aufgrund der immer länger werdenden Nachschubwege kaum noch
versorgt werden. Zudem intensivierte sich beimVorrücken aufVlora derWi-
derstandder inSüditalien stehenden italienischenKräfte. Sokamendieoffen-
sivenMöglichkeiten der Habsburgermonarchie knapp 150Kilometer südöst-
lichdes Kriegshafens in der Bucht von Kotor zum Erliegen. Es sollte dem
k.u.k. 19.Korps auch imweiterenVerlaufdesKriegesnicht gelingen, den ita-
lienischen Brückenkopf in Vlora zu erobern.69 Die Italiener in Südalbanien
hatten gleichzeitig sehr ähnliche Versorgungsprobleme, sie waren sogar voll-
ständig auf maritimen Nachschub angewiesen, der von Brindisi nach Vlora
transportiert wurde. Diese auf beiden Seiten sehr ungünstigen logistischen
Verhältnisse ander strategischunbedeutendenAlbanienfront trugen entschei-
denddazu bei, dass sich ItalienwieÖsterreich-Ungarnmit dem inder ersten
Hälfte 1916 erreichten Status bis kurz vor demEnde des Krieges weitgehend
begnügten.70Damithattedie SüdausdehnungdesMachtbereichsderHabsbur-
germonarchie imAdriaraumgenau550 Jahrenachder InbesitznahmevonSan
GiovannidiDuinoamGolf vonTriest ihrenHöhepunkterreicht.
69 Obdie k.u.k.-Armee trotz aller Schwierigkeitendoch inderLage gewesenwäre, die Eva-
kuierungderserbischenArmeenachKorfuzuunterbindenodergarVloraeinzunehmen,ist
umstritten. Siehe dazu Lothar Baumgartner,Österreich-Ungarns Dünkirchen? Eine Ge-
genüberstellung von Berichten zumAbtransport der serbischen Armee aus Albanien im
Winter1915/16, in:Marine–Gestern,Heute9 (1982), S. 46–53,hierS. 53.
70 Wolfgang Etschmann/Erwin A. Schmidl, Albanien im Ersten Weltkrieg: Spielball von
Machtinteressen, in:Österreichische Militärische Zeitschrift 35 (1997), S. 545–554, hier
S. 549; Edmund von Glaise Horstenau/Josef Brauner/Eduard Czegka/Jaromir Diakow/
FriedrichFranek/WaltherHeydendorff/RudolfKiszling/FranzMühlhofer/ErnstWisshaupt/
GeorgZöbl,DasKriegsjahr1916:ErsterTeil: dieEreignissevonJännerbisEnde Juli,Wien
1933,S. 116.
HeikoBrendel136
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918