Page - 158 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
ändern, sofern ein zwingendes Hindernis bestand).3 Die Militärführung der
Monarchie schenktediesenRegelngroßeBeachtung,was sichetwadarinzeigt,
dass sie dem Reglement des Etappendienstes beigefügt wurden, welcher das
besetzte Gebiet des ,Feindeslands‘ verwalten sollte.4 Auch die verschiedenen
FassungenderAllgemeinenGrundzüge fürdieRegelungderk.u. k.Militärver-
waltung indenbesetztenGebietenPolensbezogensichdarauf.5
DiePolenpolitik derDonaumonarchiewarwenig konsistent.Ursache dafür
wareninnenpolitischeGründe,vorallemdieschwierigeAbstimmungzwischen
denRegierungeninWienundBudapestsowiezwischendenpolitischenundden
militärischen Stellen, aber es gab auch außenpolitischeUrsachen: Der Stand-
punkt des stärkeren deutschen Bündnispartners, der bis Sommer 1916 mit
einemSeparatfriedenmit Russland rechnete und dann seine eigenenVorstel-
lungengegenüberdemKönigreichPolenverwirklichenwollte,mussteberück-
sichtigtwerden.Dies schloss einemehroderweniger intensive deutsch-öster-
reichischeRivalität inderPolitik gegenüberdemKönigreichPolennicht aus.6
Diesichveränderndeaußen-undinnenpolitischeLagederk.u.k.-Monarchie
hatte deshalb erheblichen Einfluss auf die Politik, welche die Generalgouver-
neure imbesetztenGebiet betrieben.AufdasFehleneiner stabilenpolitischen
Linieweist etwadieTatsachehin, dass inden38Monaten, die das k.u.k.-Mi-
litärgeneralgouvernement in Polen bestand, vier Generäle verschiedene Ver-
sionenvonPolenpolitikbetrieben.Dererstevonihnen,GeneralmajorErichvon
Diller (September1915bisApril 1916), erhieltdieAufgabe,diePropaganda für
einenHabsburger auf demThron des Königreichs Polen zu bekämpfen. Der
dritte, Generalmajor Stanisław Szeptycki (Mai 1917 bis Februar 1918), wurde
dagegenmitderMissionbetraut–underhieltdafürSondervollmachten–,„die
PolenfürÖsterreichzugewinnen“undeineaustropolnischeLösungmiteinem
Mitglieddes„HausesÖsterreich“alspolnischemMonarchenanzustreben.Dies
führte zu grundlegenden Veränderungen im Besatzungsapparat, darunter in
3 JanLewandowski,KrjlestwoPolskiepodokupacja˛ austriacka˛ 1914–1918 (LubelskieTowar-
zystwoNaukowe.PraceWydzialuHumanistycznego.Monografie,11),Warschau1980,S. 18–
20.
4 E-57.Etappenvorschrift zuAbt. 5,Nr. 7800Res. vomJahre1912.
5 Die erste gedruckte Fassung vom Februar 1915 (Op. Nr.24.000) wurde vomArmeeober-
kommando/Etappenoberkommando herausgegeben, die nächsten vom Juli 1916 (MV
Nr.37.000P)undNovember 1916 (M.V.Nr. 116.948/P–Veränderungder vorherigen) vom
AOK. Diese Regeln enthielt auch die für den Dienstgebrauch gedruckte Sammlung der
Verordnungen für die unter k.u.k.-Militärverwaltung in den besetzten Gebieten Polens,
Wien1916,S.XXIII–XXV.
6 Grosfeld,Politykapan´stwcentralnych(wieAnm.2),S. 17;DamianSzymczak,Mie˛dzyHabs-
burgami a Hohenzollernami. Rywalizacja niemiecko-austro-we˛gierska w okresie I wojny
s´wiatowejaodbudowapan´stwapolskiego,Krakau2009;ArthurHausner,DiePolenpolitikder
Mittelmächte und die östrerreichisch-ungarischeMilitärverwaltung in Polen während des
Weltkrieges,Wien1935.
JanLewandowski158
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918