Page - 174 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
geführtwerdensollte.12GyulaAndr#ssy, 1878einerderHauptverantwortlichen
für dieOkkupation Bosniens und derHerzegowina, sah es als einen der Eck-
punkte österreichisch-ungarischer Außenpolitik in der Balkanregion an, dass
diebeidenProvinzenanSerbienfallensollten.13HoheOffiziere, soderChefder
Militärkanzlei,Freiherr vonBeck-Rzikowsky, lehntenhingegen jedeterritoriale
Erweiterung eines – vielleicht bald unabhängigen und engmit Russland ko-
operierenden – Serbien oder Montenegro entschieden ab.14 Kurz nach einer
DalmatienreiseKaiserFranzJosephsbegannMitte1875inderHerzegowinaein
AufstandgegendieosmanischeOberherrschaft, der sich raschausbreiteteund
schließlich im russisch-türkischen Krieg von 1877/1878 kulminierte. Nach
MassakernbeganneinemassiveFluchtbewegung indasGebiet der habsburgi-
schenMilitärgrenze – 1878 befanden sich ca. 200.000 Flüchtlinge aufösterrei-
chischemTerritorium15,was einenichtunbedeutendeorganisatorischeund fi-
nanzielleHerausforderungdarstellte.
DieOkkupation
DerKriegmit Russland endete für dasOsmanischeReichmit einer schweren
Niederlage und einemdemütigendenFriedensschluss inYes¸ilköy/San Stefano.
AufdemBerlinerKongresswurdenTeilediesesDiktatfriedens jedochrevidiert,
undÖsterreich-Ungarnerhielt inArtikel 25desVertragswerkesdasMandatder
übrigen Großmächte, Bosnien und die Herzegowina zu besetzen und zu ver-
walten: „Les provinces de Bosnie et d’Herzegovine seront occup8es et admi-
nistr8espar l’Autriche-Hongrie“.16DieimmerwiederalsZeichenfürbesondere
12 Wolfgang Elz, Die europäischen Großmächte und der Kretische Aufstand 1866–1867
(QuellenundStudienzurGeschichtedesöstlichenEuropa,25),Stuttgart1988,S. 119;Jjzsef
Gal#ntai,DieÖsterreichisch-UngarischeMonarchieundderWeltkrieg,Budapest1979,S. 19;
Imre Ress, Versuch einer Nationenbildung um die Jahrhundertwende. Benj#min K#llays
Konzeption der bosnischen Nation, in: Endre Kiss/Justin Stagl (Hg.), Nation undNatio-
nenbildung inÖsterreich-Ungarn 1848–1938. Prinzipien undMethoden (Soziologie, For-
schungundWissenschaft, 21),Münster2006,S. 59–72,hierS. 62.
13 Istv#nDijszegi, Der Platz Bosnien-Herzegowinas inAndr#ssys außenpolitischenVorstel-
lungen, in:UlfriedBurz/MichaelDerndarsky/WernerDrobesch (Hg.), BrennpunktMittel-
europa. Festschrift fürHelmutRumpler zum65.Geburtstag, Klagenfurt 2000, S. 377–384,
hierS. 379f.
14 Edmund vonGlaise-Horstenau, Franz JosephsWeggefährte. Das Leben desGeneralstabs-
chefsGrafenBeck.Nach seinenAufzeichnungenundhinterlassenenDokumenten, Zürich
1930,S. 179.
15 Gabriel,Bosnien-Herzegowina1878(wieAnm.4), S. 28.
16 Lothar Classen, Der völkerrechtliche Status vonBosnien-Herzegowina nachdemBerliner
Vertragvom13.07.1878(Rechts-undSozialwissenschaftlicheReihe,32),FrankfurtamMain
2004,S. 33.
MartinGabriel174
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918