Page - 199 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
derdort eingesetztendeutschsprachigenBeamtendasGegenteil jeder ,alldeut-
schen‘Politik.17 InderFolgewardieLoyalität zumKaiser starkentwickeltund
hielten sichdiekonservativengalizischenPolenvonpanslawischenTendenzen
fern,diedasausihrerSicht,festeGehäuse‘Österreich-Ungarnzuunterminieren
drohten. Daher fand hier vor 1914 trotz vieler grenzübergreifender ,allpolni-
scher‘ (entsprechend dempolnischenwszechpolskie) Sympathiebekundungen
keine direkteKorrelierung politischer Plänemit denpolnischenAktivisten in
PreußenundRussland statt.18ErstmitKriegsbeginn1914 sollte eineneue ,all-
polnische‘Aktivität einsetzen,die sichaber–als austropolnischeLösung–auf
dasHabsburgerreichstützte.
Indie schwierigstePositiongerietendurchdasAusscheidenÖsterreichsaus
Deutschland jedoch die bis datomehrheitlich (national)liberalen österreichi-
schenDeutschnationalen. IhrAusschlussausdemdeutschenNationsbildungs-
prozess durchden eigentlich bewundertenBismarck verunsicherte undbelas-
tete sie besonders in Böhmen; als Folge kam es zur schnellen Entwicklung
deutschnationalerVerbände(Schutzvereineusw.).Zudemsahensiesichmitder
Herausforderung konfrontiert, dass durch den einsetzenden Reformprozess
nicht nur die Ungarn, sondern langfristig auch die slawischen Völker der
Monarchieaufsteigenwürden.DaherwandtesicheinTeilderDeutschnationalen
vomLiberalismusabundformtedieethnozentrische(undteilsantisemitische)
alldeutsche Bewegung, die gespaltenwar zwischendemVersuch, die deutsche
Führungsrolle in der Donaumonarchie zu behaupten, und der Neigung, die
Monarchie zu zerschlagen und die deutschsprachigen Landesteile demReich
anzuschließen.Die zu letztererOptionneigende radikaleGruppeunterGeorg
von Schönerer fand jedoch niemals die Unterstützung der deutschen Reichs-
leitung,inderenunbedingtemstrategischenInteressedieErhaltungÖsterreichs
lag.
Deutlich später als in Österreich entstand die alldeutsche Bewegung im
Deutschen Reich, wo die Zufriedenheit über die Reichsgründung erst in den
1890er Jahren nachließ und der Forderung nach einer offensivenWeltpolitik
wich. Ihr Verhältnis zum österreichischen Pendant war trotz ähnlicher An-
17 Vgl. Isabel Röskau-Rydel, Zwischen Akkulturation und Assimilation. Karrieren und Le-
benswelten deutsch-österreichischer Beamtenfamilien in Galizien (1772–1918),München
2015.
18 ZudieserEntwicklung sieheauchPiotr Szlanta,Der Januaraufstand inRussisch-Polen, die
Autonomie inÖsterreichisch-GalizienunddieKriseumSchleswig-Holstein.Diepolnische
Unabhängigkeitsbewegung im internationalenKontext 1863–1864, in: Oliver Auge/Ulrich
Lappenküper/UlfMorgenstern(Hg.),DerWienerFrieden1864.Eindeutsches,europäisches
undglobalesEreignis,Paderborn2016,S. 307–318.
Mitodergegenden ,Pangermanismus‘ 199
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918