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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603 Dmowskiwar niemals ein genuiner Panslawist; dieswäremit seinem radi- kalen Nationalismus unvereinbar gewesen. Seine Option für Russland hatte pragmatischenCharakter, da er von ihrVorteile für die polnischeNationsbil- dung erwartete und überdies – wegen der von ihm unterstellten kulturellen ÜberlegenheitderPolen–keineGefahreinerAssimilationdurchdieRussensah. ImGegenzug beruhte seine antideutsche Ausrichtung wesentlich auf der An- nahmeeiner solchenGefahr infolge der von ihmkonstatiertenhohen zivilisa- torischenQualität despreußisch-deutschenStaates.Ausgehendvoneineman- tideutschenPrimatderAußenpolitik gelangtenDmowskiund seineBewegung 1904/05zueinem–allerdingsreintaktischen27–prorussischenLoyalismus,als die russischeNiederlage gegen Japan und die daraus folgende erste russische Revolutionvon1905geradeindennichtrussischenRandgebietendesReiches,so auch inKongresspolen, zuAufständen führten, derenUrheber zwar auch na- tional argumentierten, in denen aber vor allem ,transnationale‘ soziale Spal- tungstendenzenerkennbarwurden. Dies war für die Nationaldemokraten unter gesellschaftspolitischemBlick- winkel ebensowenig akzeptabelwie die dadurchdrohendeSchwächungRuss- landsnachaußen,denn inUmkehrdes eigenen inSanktPetersburgverfolgten VerständigungskurseswarDmowski zugleich ein scharferKritikerder loyalis- tischenHaltungdergalizischenPolen:ErstensschiendiesedieTeilungPolenszu verfestigen, und zweitens sah er inderDonaumonarchie vor allemein Instru- ment reichsdeutscherMachtpolitik. Sowarf er imAugust 1914 denÖsterrei- chern(dasheißtdengalizischenPolen)vor,aufderfalschenSeitezustehen,weil sie denbeginnendenKriegnicht alsAuseinandersetzung zwischenSlawentum undGermanentum erkannt hätten.28An seiner Haltung wird allerdings auch deutlich, dass das Schlagwort des ,Pangermanismus‘ sich hier nicht auf groß- oder alldeutsche Nationsbildungsideen bezog, sondern schlicht auf einen in DmowskisAugenbedrohlichenMachtzuwachsdesDeutschenReiches. DmowskisWeltbild und seineArgumentationsweise, insbesondere sein na- tionaler Egoismus, zeigtenklareHerkunftsliniennicht nur vom französischen (Charles Maurras, Maurice BarrHs), sondern – ironischerweise – auch vom deutschenNationalismusher.Vermutlichunwissentlichübernahmerden–al- lerdings um1900 allenthalben imRaum stehenden – Begriff des „(gesunden) 27 Vgl. TatianaKhripachenko, TwoConcepts of Loyalty in theDebates on the ,PolishQues- tion‘ inLate ImperialRussia, in:Osterkamp/Schulze/Wessel (Hg.), ExploringLoyalty (wie Anm.9), S. 45–59. 28 Vgl. KeyaThakur-Smolarek,Der ErsteWeltkrieg unddie polnische Frage.Die Interpre- tationendesKriegsgeschehensdurchdiezeitgenössischenpolnischenWortführer,Berlin 2014, S. 54f. JensBoysen202
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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Title
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Subtitle
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Authors
Wolfram Dornik
Bernhard Bachinger
Stephan Lehnstaedt
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-1060-3
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
362
Keywords
KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
Categories
Geschichte Vor 1918
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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen