Page - 244 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Image of the Page - 244 -
Text of the Page - 244 -
© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Bedingung,dasssichdieungarischeMusikerorganisationkooperationswilligzu
zeigenhabe.49
DasungarischeInnenministeriumließsichmitderEntscheidungfasteinJahr
Zeit,bevoresbeschloss,dieEingliederungdesPreßburgerMusikervereins inden
Österreichisch-UngarischenMusiker-Verband nicht zuzulassen. Für die Musi-
kerzeitung war dies jedoch ein grundlegender Beschluss und entsprechend
unmissverständlich identifizierte ihndieRedaktionmit der herausfordernden
Konstellation der Doppelmonarchie: „Wir stehen also auch in Bezug auf die
Musikangelegenheiten indemsonderbarstenVerhältnissezuUngarn.“50Ander
Wertigkeit der beidenReichshälften ließ sie dabei keinenZweifel und ritt res-
sentimentbehaftete Attacken gegen den ungarischen Musikbetrieb. Ungarn
produzieresowenigMusiker,„ZigeunerundeinigeGeigerausgenommen“,dass
ohne in Ungarn lebende österreichische oder deutscheMusiker „sämmtliche
Theater, voran die königliche Oper in Budapest, wegenMangel anMusikern
geschlossenwerdenmüßten“,weshalb es eine „argeVergewaltigung“darstelle,
den in Ungarn lebendenMusikern zu verbieten, „sich ihren Collegen anzu-
schließen und dadurch ihre Interessen zu schützen.“ DieMusikerzeitung gab
dabei ihrer Hoffnung Ausdruck, die ungarische Regierung komme noch zur
Erkenntnis, dassdurchden„AnschlußungarischerMusikeranden[Oesterrei-
chisch-Ungarischen Musiker-]Verband der ungarische Staat durchaus nicht
gefährdet“werde.51DiesekonfrontativeHaltungdesMusikerverbandesbewirkte
allerdings kein Einlenken des ungarischen Innenministers, im Gegenteil: Er
untersagtedieEingliederungdesPreßburgerMusikervereins,mitderoffiziellen
Begründung,dassdieserdadurchvielschwierigerzukontrollierenseinwürde52–
docheineZustimmungzurEingliederungwäreauchderallgemeinpraktizierten
Magyarisierungspolitik für das um 1900 noch deutschsprachig dominierte
Preßburgdiametralzuwidergelaufen.53GegendieEntscheidungdesungarischen
Innenministers schriebdieMusikerzeitungunter anderem inFormeines Leit-
artikels an. Dabei erklärte sie, dass nur schon die Entscheidung selbst „ein
sonderbaresLichtaufdieösterreichisch-ungarischeZweiheit“werfe.DerArtikel
49 „DasPräsidiumdesOesterreichisch-UngarischenMusikerverbandeswürde dieGründung
einesUngarischenMusikerverbandes,mitdemSitze inBudapest, freudigstbegrüßen, vor-
ausgesetzt,daßdieserVerbandzurFörderungundzumSchutzedergemeinsamenInteressen
mitdemösterreichischenVerbandeinengeFühlungtritt“,sodieErklärungdesDelegierten
desWiener Verbandspräsidiums gegenüber der Gründungsversammlung des Preßburger
Musikervereins,OeMZV/3(01.02.1898), S. 14.
50 OeMZVII/1 (01.01.1899), S. 1.
51 OeMZVII/1 (01.01.1899), S. 1f. FürdieReaktionderZeitschrift Zenelapdarauf, bzw. den
KommentarderMusikerzeitungvgl.OeMZVI/7 (01.04.1898), S. 38f.
52 OeMZVI/8 (16.04.1898), S. 43.
53 Vgl.dazuMoritzCs#ky,DasGedächtnisderStädte.KulturelleVerflechtungen–Wienunddie
urbanenMilieus inZentraleuropa,Wien2010,S. 306–307.
FritzTrümpi244
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918