Page - 263 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Image of the Page - 263 -
Text of the Page - 263 -
© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Bürgermeister zugewiesen.Erst dasOktoberdiplomstellte einenkurzenBruch
inderneoabsolutistischenRegierungUngarnsdar,welches 1860dieRückkehr
Ungarns zumstaatsrechtlichen Systemvon1848 ermöglichte.Weil die ungari-
sche liberalepolitischeElitedieseskategorischablehnte,23kehrtemanmitdem
Schmerling-Provisoriumzwischen1861und1865zur zentralisiertenKontrolle
desLandeszurück.
ZwarwirddieseEpocheinderungarischenGeschichtsschreibungzumeistals
einZeitalterderStagnationdargestellt,obwohlmancherepressivenMaßnahmen
der Habsburger-Herrschaft die von der Revolution ausgegangenenModerni-
sierungsimpulse verstärkten.Die inden1850er-Jahreneinsetzendewirtschaft-
licheModernisierung des Landes, die in erster Linie durchGesetze undVer-
ordnungendeskaiserlichenHofesgefördertwurde,unterstütztetoptodownund
imimperialenRahmendielangsameinsetzendekapitalistischeEntwicklungdes
Landes.24
Nach dem Ausgleich 1867 wurden die Städte durch drei Gesetze in die
Struktur desDualismus eingefügt: dasGesetzNr. XLII/1870über dieMunizi-
pien, Nr. XVIII/1871 über die Gemeinden und das sog.Hauptstadtgesetz von
1873. Die drei Gesetze richteten damit ein dreistufiges Systemder Städte ein:
BudapestundFiumegaltenalssogenannte freieköniglicheStädte,währendalle
anderenGemeindenentwederMunizipienodersogenannteStädtemit eigenem
Rat waren. Letztere standen unter der Zuständigkeit der Komitate. Dagegen
warenMunizipiendiejenigen,meist größerenStädte,diemitdenKomitaten in
Bezugaufdie legislativeMachtgleichgestelltwaren,aber verwaltungstechnisch
eineselbständigeEntitätbildeten.Daherstand,wieauchbeidenKomitaten,an
ihrer Spitze ein vonderRegierung ernannterObergespan, der dieVerwaltung
leitete undkontrollierte. Alswichtigstes Entscheidungsgremium fungierte das
sogenannteLegislativeKomitee,dassichausdensogenanntenVirilistenundden
gewählten Mitgliedern zusammensetzte. Das leitende Amt des Komitees be-
kleidetederBürgermeister.
Trotz dieser komplizierten Regelung lässt sich feststellen, dass die Städte
ähnlich der cisleithanischen Statutarstädte zu Orten und ,Nutznießern‘ der
Modernisierung wurden, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Von den
entstandenenMöglichkeiten, wie der Entwicklung der Eisenbahn, profitierte
nichtnurdieneueHauptstadt, sondernauchdiekleineren, regionalenZentren
wieSzeged,Kassa,Miskolc,Gyo˝roderDebrecen.Siekonkurriertensowohlmit
Budapest als auchmiteinander um die politischen undwirtschaftlichen Res-
23 Sieargumentiertendamit,dassderReichsratdieSouveränitätdesLandesverletzte.L#szlj,
Azönk8nyuralomkora (1849–1867) (wieAnm.21), S. 279–325.
24 G#bor Gy#ni/György Köv8r, Prtelmez8si keretek [Kontext], in: dies., Magyarorsz#g t#rs-
adalomtört8nete [DieSozialgeschichteUngarns].Budapest2006,S.11–37,hierS. 26.
ImperialeHerausforderung inHabsburgsEmergingCities 263
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918