Page - 273 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
tegie,derenZiel eswar,mithilfederAusstellungunddes Industriepalastsnicht
nur die Ergebnisse und damit die kreative Energie und Entwicklung der hei-
mischen Industrie und Ingenieurswissenschaften darzustellen, sondern
gleichzeitigdieFähigkeitunddenWillenderHauptstadt zudemonstrieren, zu
einerMetropole zuwerden.
Fazit
Die exemplarisch skizzierten Stadtentwicklungen Lembergs und Budapests
zeigen zusammenfassend, dass die rechtlichen Rahmungen wichtige Aus-
gangspunkte für die Stadtentwicklungsprozesse waren. Obgleich die Auslage-
rung staatlicher Aufgaben in die Kompetenzen der Städte zu einer weiteren
Durchstaatlichung im Sinne einer intensivierten administrativen Durchdrin-
gung führte und das Reich hiermit versuchte, denHerausforderungen zu be-
gegnen, die sich aus den politisch-administrativen, gesellschaftlichenund so-
zialen Modernisierungsprozessen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
ergaben, gaben die rechtlichen Grundlagen den lokalen, meist liberalen Ak-
teurenquasi freieHand.DeradministrativeAufbauaufkommunalerEbeneals
AusdruckdieserEntwicklunggabhierbeidieThemenvor,dieinEigenregieohne
größere staatlicheEingriffe bearbeitetwerdenkonnten.Hierdurchkonnten sie
Strategien fürdenAufstieg ,ihrer‘ Städteausarbeiten.OhnediesenHandlungs-
spielraumwärendieStädtenicht indieserFormzuSchnittstellenderNationa-
lisierungs-undModernisierungsprozessegeworden.
DieStrategienderlokalenAkteurezurjeweiligenStadtentwicklungfußtenvor
allemdarauf,überWissenstransfer unddieOrientierung an best practicesdie
jeweilige städtische Entwicklung zu dynamisieren. Die bislang unterstellte
Rückständigkeit der ,peripheren‘ Städtewar also eineHandlungsressource für
dieEntwicklungvonPraktikenundStrategiendesAufstiegsgeworden.Hierbei
wurdennichteinfachLösungennachgeahmt, sondernEntscheidungenfüroder
gegeneineÜbernahmebewusstgefällt,wodurchdieseLösungenadaptiertund
produktiv den eigenen Bedingungen und Interessen entsprechend weiterent-
wickeltwurden,wiediehier skizziertenDynamiken inLembergundBudapest
zeigen. Beiden Städten gelang es hierdurch, sich nicht nur zumodernisieren,
sondern auch ihre regionalenMachtansprüche zu etablieren.Deutlichwirdan
diesen Beispielen, dass Urbanisierung und Stadtentwicklung sowie der dafür
notwendigeWissenstransfernichtohne,nationale‘ Interpretationenderlokalen
Entscheidungsträger stattfindenkonnten. Somitwarendie imperialenHeraus-
forderungenvielschichtig, eröffnetenaberunterschiedlicheChancen für lokale
Eigendynamiken, um nochmals mit dem Lemberger Bürgermeister Edmund
Mochnacki zusprechen,das„eigeneSchicksal selbst zu lenken“.
ImperialeHerausforderung inHabsburgsEmergingCities 273
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Title
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Subtitle
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Authors
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 362
- Keywords
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Categories
- Geschichte Vor 1918