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228 Hemma Mayrhofer
Die Aufhebung der zeitlichen Nutzungsbeschränkung ist auch auf der Tafel
mit den Ge- und Verboten sichtbar, auf der die entsprechenden Bestimmun-
gen provisorisch überklebt wurden (vgl. Abbildung 39). Interessanterweise
konnten aber keine Reaktion der JugendarbeiterInnen oder der Jugendlichen
auf die Änderung am Schild wahrgenommen werden, es ist fraglich, ob diese
von ihnen überhaupt registriert wurde.
Sowohl im dritten begleiteten Outreach in der zweiten November-Hälfte
2014 als auch beim fünften Beobachtungstermin Ende April 2015 wurde eine
Beruhigung der Situation zwischen den Jugendlichen und dem Security-
Mitarbeiter berichtet. In letzterwähnter Beobachtung teilten zwei Jugendliche
den JugendarbeiterInnen auf Nachfrage mit, dass sie den Mann nun schon
längere Zeit nicht mehr gesichtet hätten.
Konflikt um unhöfliches Verhalten gegenüber Kirchenbesucherin
Von mehreren Seiten wurde ein Vorfall erzählt, der sich im Sommer 2014
beim Jugendspielplatz zwischen einem Jugendlichen und zwei Kirchenbesu-
cherinnen abgespielt hatte. Beim Ereignis waren auch andere Jugendliche
und JugendarbeiterInnen anwesend gewesen. Der Beobachter konnte den
Vorfall nicht direkt wahrnehmen, er wurde ihm von einer Jugendarbeiterin
erzählt und später auch in den ergänzenden Interviews thematisiert. Im Kern
geht es in den Erzählungen darum, dass der Jugendliche die Frauen unhöflich
ansprach:
„… und da sitzt ein Knabe, ist ja wurscht, wie alt, 15, 16, und schreit her: Schauts nicht
so deppert, ihr zwei! Tief durchgeatmet und hab g'sagt, lieber Knabe, brems dich ein.
(lacht) Dann kam mir die Betreuerin nach und hat g'sagt, was war denn da jetzt, hab
ich g'sagt, na ja, ich find es nicht gut, der weiß ja nicht einmal- ich verzeih ihm ja alles,
(…) ich hab überhaupt kein Problem, hab ich g'sagt, wenn das ein Bürger X da ist, der
vorbeigeht und in der Art, dann müssten Sie sich als Beteiligte im Sinne von
GOOSTAV ein bissl einbinden und ohne dass man jetzt mit Rute und Peitsche kommt,
aber ich kann sagen, das ist keine Umgangsform.“ (SR2-I3: S. 2/Z27ff.)
Aus den folgenden Schilderungen geht hervor, dass sich die Hauptkritik der
Kirchenbesucherin auf das Verhalten der JugendarbeiterInnen bezog, die
nicht eingegriffen hatten. Während sie erwartet hätte, dass sich Jugendarbei-
terInnen bei solch einem rüden Verhalten von Jugendlichen anderen Personen
gegenüber einbringen und den Jugendlichen Normen wie höfliche Umgangs-
formen verdeutlichen, war – so die Wahrnehmung der interviewten Person –
von der Jugendarbeiterin solch ein Ansinnen als nicht dem eigenen Rollen-
verständnis entsprechend (keine maßregelnde bzw. disziplinierende Rolle)
zurückgewiesen worden. In diesem Ereignis stießen somit unterschiedliche
Erwartungen an bzw. Rollenverständnisse von Jugendarbeit unmittelbar auf-
einander, sie wurden in der konkreten Interaktion manifest. Es gelang in der
Situation offenbar auch nicht, das damit verbundene Konfliktpotenzial durch
Bemühen um wechselseitiges Verständnis abzuschwächen. Die anwesenden
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften