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Fallstudie zu Outreach-Angebot im ländlichen Raum 229
JugendarbeiterInnen konnten faktisch keine vermittelnde Rolle einnehmen,
sei es, weil sie dies nicht als ihre Aufgabe betrachteten, sei es, weil sie darin
nicht erfolgreich waren. Sie wurden in der Konsequenz – so lassen die ergän-
zenden Interviews erkennen – ebenfalls als Konfliktpartei wahrgenommen
und kamen faktisch auch in diese Rolle.
Ergebnisse aus Workshop mit dem Verein TENDER
Der Vorfall wurde in Form einer Fallvignette und darauf bezogener Re-
flexionsfragen im Workshop zum Thema gemacht, um die Expertise der
JugendarbeiterInnen für einen professionellen Umgang mit solch schwie-
rigen Situationen in der Berufspraxis in die Forschungsergebnisse ein-
fließen zu lassen. Folgende Orientierungspunkte für das professionelle
Handeln in vergleichbaren Konfliktkonstellationen wurden identifiziert:
• Den betroffenen Personen (BeschwerdeführerInnen) ist glaubhaft zu
vermitteln, dass man sie ernst nimmt und bemüht ist, sie in ihrem
Ärger zu verstehen. Ihnen sollte versichert werden, dass der Vorfall
mit den betreffenden Jugendlichen thematisiert wird.
• In jedem Fall ist dabei zu vermeiden, Jugendliche oder andere in-
volvierte Personen bloßzustellen. Wichtig ist auch, nicht einer Seite
„gefallen zu wollen“, sondern innere Unabhängigkeit in der Ver-
mittlungsarbeit zu bewahren.
• Eine Konfliktklärung gemeinsam mit allen Beteiligten kann sich
manchmal als schwierig erweisen (dies gilt es situativ zu entschei-
den), in manchen Konstellationen kann es hilfreich sein, wenn die
beiden Konfliktparteien getrennt werden. Ein/e JugendarbeiterIn
spricht mit dem/der Jugendlichen und der Kollege oder die Kollegin
mit der anderen Konfliktpartei, sodass beide unabhängig voneinan-
der für mehr wechselseitiges Verständnis werben können, ohne dass
Differenzen gleich wieder aufeinanderprallen. Dennoch ist auch bei
diesem Vorgehen auf ausreichend Transparenz den unterschiedli-
chen Konfliktparteien gegenüber zu achten.
• Für die Konfliktvermittlung erweist sich in manchen Situationen
eine Rollenverteilung als hilfreich, wobei zu reflektieren ist, welche
Person des Teams welche Rolle am besten einnehmen kann: Wäh-
rend sich z.B. die Einrichtungsleitung um Verständnis und Entge-
genkommen auf der Ebene unterschiedlicher Stakeholder im Ge-
meinwesen (etwa politischen VertreterInnen, RepräsentantInnen der
Kirche etc.) bemühen kann, setzen sich die JugendarbeiterInnen mit
den Jugendlichen auseinander. Hilfreich war im vorliegenden Fall,
dass die Einrichtungsleitung selbst nicht in den Konflikt involviert
war.
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften