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Konfliktfeld ‚Soccerplatz‘: Interessensvermittlung 271
händigt werden könne. Eine Jugendarbeiterin hielt fest, sie würde es sehr gut
finden, dass weiterhin gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werde.
Von Seiten der AnrainerInnen gab es kaum mehr Interventionen bzw.
Wortmeldungen nach dem Vorschlag des Bürgermeisters. Einem Anrainer
war noch die Frage wichtig, ob sie die AutofahrerInnen am Abend auf den
anderen Parkplatz verweisen könnten. Dies wurde durch den Bürgermeister
bejaht. Eine Anrainerin versuchte am Schluss, die Angelegenheit erneut auf-
zurollen, konnte sich damit aber nicht durchsetzen: Die Versammlung wurde
durch den Bürgermeister beendet.
Nach der Versammlung besprachen die Jugendlichen vor dem Begeg-
nungshaus mit den JugendarbeiterInnen das weitere Vorgehen. Letztere be-
stätigten den BeobachterInnen, dass sie von der Schlüsselidee des Bürger-
meisters vorab nicht informiert gewesen waren, sie mutmaßten, dass er einem
spontanen Einfall nachgekommen war. Die JugendarbeiterInnen zeigten sich
weiter sehr skeptisch und sprachen die Befürchtung aus, dass den Jugendli-
chen bei dieser Lösung zu viel Verantwortung auferlegt werden könnte. Es
wären dadurch auch leicht Konflikte mit anderen Jugendlichen am Sportplatz
möglich. Die anwesenden Jugendlichen selbst äußerten sich allerdings größ-
tenteils sehr froh über den Ausgang der zweiten Versammlung.
Diese Differenz zwischen JugendarbeiterInnen und Jugendlichen verdient
eine eingehendere Reflexion: Offenbar freuen sich die Jugendlichen nicht nur
darüber, dass sie nun den Sportplatz bis 21 Uhr nutzen können, sondern auch
über das Vertrauen des Bürgermeisters, sie mit besonderen Zugangsrechten
zum Platz auszustatten. Sie trauen sich selbst zu, die damit einhergehende
Verantwortung auch wahrnehmen zu können. Die JugendarbeiterInnen hin-
gegen scheinen Bedenken zu haben, ob die Jugendlichen auch wirklich wis-
sen, worauf sie sich dabei einlassen, und ob sie mit eventuellen Begehrlich-
keiten bzw. Verhaltensweisen anderer NutzerInnen zurande kommen. Sie
definieren sich stark über ihre Schutzfunktion für die Jugendlichen, eventuell
könnte durch diese Rollendefinition aber mitunter die Tendenz bestehen,
ihnen eher wenig zuzutrauen. Niederschwelliges Arbeiten versucht, Anforde-
rungen an die NutzerInnen niedrig zu halten, manchmal scheinen die Jugend-
lichen aber solche Anforderungen durchaus zu suchen und als positive Her-
ausforderung zu sehen. Auch wenn damit ein höheres Risiko des Scheiterns
verbunden ist – und in eher spannungsreichen sozialen Kontexten wie dem
gegebenen mag solch ein Scheitern noch höhere Risiken bergen, ermöglicht
die Verfügung über einen Schlüssel den Jugendlichen auch die Erfahrung,
dass sie in der Gemeinde einbezogen werden und ihnen zugetraut wird, Ver-
antwortung zu tragen. Eine dezente Begleitung und gegebenenfalls auch
Beratung und Unterstützung durch die JugendarbeiterInnen kann sich dabei
als wichtige Stütze im Hintergrund erweisen.
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften