Page - 274 - in Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
Image of the Page - 274 -
Text of the Page - 274 -
274 Hemma Mayrhofer, Florian Neuburg
müssen, und stärken deren Position gegenüber Letzteren. Sie bemühen sich
um differenziertere Wahrnehmung der Jugendlichen insgesamt und Entlas-
tungen der konkreten Verhandlungssituation. Zugleich greifen sie korrigie-
rend in den Prozess ein, wenn an die Jugendlichen unrealistische oder riskan-
te Erwartungen herangetragen werden. Am Schluss werden sie von einem
neuen Lösungsvorschlag überrascht und sehen einen höheren Schutzbedarf
als die Jugendlichen selbst, akzeptieren aber deren Wunsch, den Vorschlag
anzunehmen, und unterstützen wiederum bei dessen Umsetzung.
Die Wortmeldungen der AnrainerInnen lassen erahnen, dass ihre gegen
die Jugendlichen vorgebrachten Beschwerden auch als Ventil für diffuse
Unzufriedenheiten dienen dürften, ohne dass damit eine tatsächliche Lärmbe-
lastung abgesprochen werden soll. Das macht es vermutlich schwierig, eine
dauerhafte Lösung für den Konflikt zu finden, obwohl sich im Verlauf der
zweiten Versammlung eine gewisse Abschwächung der negativen Wahrneh-
mung erkennen ließ. Auch der Umstand, dass unterschiedliche Jugendliche
und im Verlauf der Zeit immer neue ‚Generationen‘ an jungen Menschen den
Platz für Freizeitaktivitäten nutzen, trägt dazu bei, dass eine wiederholte
Bearbeitung und temporäre Lösung bzw. Beruhigung des durch die räumliche
Nähe und die verschiedenen Bedürfnisse gegebenen Konfliktpotenzials not-
wendig sein könnte. Insofern kann die geglückte zeitweise Abschwächung
und Entspannung des Konflikts sehr wohl als Erfolg betrachtet werden. Ein
neuerliches Aufflammen der Beschwerden von Seiten der AnrainerInnen
wäre auch nicht als Ausdruck mangelnder Wirksamkeit der geleisteten Kon-
fliktdeeskalation zu deuten, da die Konfliktursachen und -konstellation insge-
samt einen wiederholten Vermittlungsbedarf vermuten lassen.
Es ist davon auszugehen, dass das vermittelte Knowhow zur Konfliktde-
eskalation und die Erfahrungen der – jedenfalls im überblickbaren Zeitraum –
geglückten Konfliktvermittlung, durch die sich der Wunsch nach längeren
Öffnungszeiten realisieren ließ, den Jugendlichen auch in künftigen Konflikt-
situationen als Ressource zur Verfügung steht. Die biografische Fallstudie zu
„Johann“ (vgl. Kap. 7) verdeutlicht solch längerfristiges Wirkungspotenzial
aus individueller Sicht.
back to the
book Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit - Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse"
Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften