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Methodische Erfahrungen und Methodendiskussion 315
breiteren Einsatz des sehr erkenntnisreichen methodischen Zugangs dürf-
te sich aber erweisen, dass das Analyseverfahren sehr zeitaufwändig ist
sowie hohe Analysekompetenz und -erfahrung bei den Forschenden ver-
langt. Zudem ist zu reflektieren, inwieweit die Ergebnisse auch aufgrund
der oben beschriebenen Limitationen beim Feldzugang einseitig sind,
hier wären weitere Methodenentwicklungen empfehlenswert, durch die
sich die Begrenzungen ausgleichen lassen.
Die vier sozialräumlichen Fallstudien ermöglichten allgemein umfassende
Einblicke in die Arbeitsweisen der JugendarbeiterInnen und waren ein wert-
voller Beitrag für die Kontextualisierung und Interpretation der Wirkungser-
kenntnisse. Letztere wiederum ließen sich mit den ethnografischen For-
schungszugängen in sehr unterschiedlichem Ausmaß gewinnen:
• Grundsätzlich erwiesen sich sozialräumliche Fallstudien in jenen Fällen
als erkenntnisreicher für Wirkungsevaluation, in denen klar abgrenzbare
Ereignisketten bzw. Interventionen im Fokus der Studien standen und die
Komplexität des Geschehens durch den Kontext limitiert war. Diese Be-
dingung war etwa auch im kleinstädtischen bzw. ländlichen Raum eher
vorzufinden als in großstädtischen Settings. Zudem zeigte sich, wie we-
nig sich solche Fallstudien aufgrund der flexiblen Arbeitsweise der mo-
bilen Jugendarbeit vorausplanen lassen und dass sowohl die Zeitstruktur
(u.a. zur Realisierung von Prä-Post-Forschungsdesigns) als auch Formen
und Anzahl der erforderlichen Erhebungen (generell empfiehlt sich eine
Kombination von Beobachtungen und Gesprächen) situativ angepasst
werden müssen. Solche Rahmenbedingungen für Forschung sind in her-
kömmlichen Evaluationskontexten selten gegeben und führen auch res-
sourcenmäßige Planungsunsicherheiten mit sich. Einschränkend zeigte
sich zudem der Umstand, dass in bestimmten und u.U. besonders wir-
kungsrelevanten Situationen ein dezenter Rückzug der BeobachterInnen
notwendig ist, um beispielsweise ein sensibles Gespräch zwischen Ju-
gendlichen und JugendarbeiterInnen nicht zu stören.
• Die im günstigsten Fall erzielbaren Ergebnisse bieten aber vielschichtige
Wirkungserkenntnisse, die zugleich in gewissem Ausmaß Interventions-
Wirkungs-Zusammenhänge herzustellen erlauben, wie sich etwa über die
sozialräumliche Fallstudie zur Konfliktlösung rund um den Soccerplatz
erkennen lässt (vgl. Kap. 13). Solche Zusammenhangsbildungen erwei-
sen sich im spezifischen Forschungsfeld ansonsten als relativ schwierig,
da unterschiedliche Interventionen situativ-flexibel zum Einsatz kom-
men, ineinander übergehen bzw. manchmal schwer als Interventionen
erkennbar sind, wenn etwa die Erfahrung einer Vertrauensbeziehung zu
einer erwachsenen Person sukzessive ihre Wirkung entfaltet.
Die formalen Netzwerkanalysen zu institutionellen Netzwerkbildungen der
Einrichtungen mobiler Jugendarbeit ließen sich in der ursprünglich geplanten
Form als Teil von Fallstudien zu ausgewählten Interventionen bzw. Projekten
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften