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Methodische Erfahrungen und Methodendiskussion 317
mobile Jugendarbeit wirkt. Ob also die Reduktion der durch die Polizei
festgehaltenen Delikte mit jugendlichen Tatverdächtigen tatsächlich auf
Verhaltensänderungen bei den Jugendlichen zurückzuführen ist oder
auch dadurch mit bewirkt wird, dass straffällige Jugendliche in andere
Gebiete ausweichen, ob möglicherweise durch die Jugendarbeit die Tole-
ranz des sozialräumlichen Umfeldes erhöht wurde und mehr informelle
Konfliktlösungen realisiert werden (auch dies wäre als positive Wirkung
mobiler Jugendarbeit einzustufen) oder noch ganz andere Wirkweisen
hinter den statistisch feststellbaren Deliktsrückgängen stehen, um dar-
über Erkenntnisse zu erlangen, braucht es andere methodische Zugänge,
wie sie in diesem Forschungsprojekt auch realisiert wurden.
Die Erfahrungen mit den methodischen Umsetzungen ließen insgesamt mehr-
fach deutlich werden, dass eine Realisierung valider Kontrollgruppendesigns
im speziellen Forschungsfeld äußerst unrealistisch ist (vgl. hierzu die Aus-
führungen in Kap. 2.). Die vorliegende Studie näherte sich zwar in gewisser
Weise einem Vergleichsgruppendesign an, indem zwei verschiedene Projekt-
träger und innerhalb dieser Träger wiederum unterschiedliche Einrichtungen
in die Forschung einbezogen wurden. Allerdings erschienen für tatsächlich
beobachtete Unterschiede in der Regel die verschiedenen Kontextfaktoren die
überzeugenderen Einflussfaktoren zu sein und weniger eventuelle Unter-
schiede in der Arbeitsweise der JugendarbeiterInnen. Der situativ-flexible
Einsatz von Interventionsformen und der Umstand, dass zugleich sehr stark
über die eigene Person und die aufgebaute Vertrauensbeziehung gearbeitet
wird (und dies lässt sich in diesen Arbeitszusammenhängen keinesfalls als
mangelnde Professionalität deuten) setzt dem Bestreben, die Wirkungen
einzelner Interventionsformen unabhängig von der Person des bzw. der Pro-
fessionellen kausal zu erfassen, sehr enge Grenzen.
Abschließend ist darauf zu verweisen, dass das realisierte Forschungsdes-
ign und die eingesetzten methodischen Zugänge der sozialwissenschaftlichen
Wirkungsforschung vielfältige und elaborierte Methodenkenntnisse bei den
durchführenden ForscherInnen voraussetzen. Sie machen zudem eine enge
und vertrauensvolle Kooperation mit den evaluierten Angeboten der mobilen
Jugendarbeit notwendig, um günstige Voraussetzungen für Lernprozesse zu
schaffen.
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften