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terstützungsressource in Notsituationen genutzt werden – und zwar weit
über die Zeit des intensiveren Kontaktes in der Jugend hinaus, wie an-
hand der beiden lebensgeschichtlichen Fallstudien eindrücklich sichtbar
wird. Diese späteren Unterstützungsanfragen auch zuzulassen und den
nun Erwachsenen zur Seite zu stehen, auch wenn sie teilweise genau ge-
nommen nicht mehr in die direkte Zielgruppe der Einrichtungen fallen,
ist als eine essenzielle Qualität und ein wichtiger Beitrag zu den erzielba-
ren Wirkungen zu betrachten.
• Mobile Jugendarbeit stellt sich als Drehscheibe für Weitervermittlungen
zu spezialisierteren Hilfsangeboten dar, sie kann den Zugang zu diesen
manchmal ermöglichen oder unterstützten bzw. auch solchen zu Behör-
den erleichtern. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Übergänge manch-
mal, aber nicht immer gelingen, da das in die mobile Jugendarbeit auf-
gebaute Vertrauen nicht einfach auf die neue Stelle übertragen werden
kann. In jedem Fall aber erschließen die Einrichtungen und ihre Mitar-
beiterInnen den Jugendlichen eine große Bandbreite an Kontakten, sie
eröffnen insbesondere auch zu institutionellen AkteurInnen unterschied-
licher Art niederschwellige Zugänge durch ihre eigenen umfangreichen
Kontakt- und Kooperationsnetzwerke zu diesen Ebenen.
• Jenseits einer unmittelbaren Weitervermittlung von Jugendlichen sind
die direkten und indirekten Wirkungen solcher Netzwerkbildungen em-
pirisch relativ schwer fassbar, sie passieren nicht selten auf einer wenig
formalisierten Ebene (v.a. im direkten Gespräch zwischen den institutio-
nellen Kontaktpersonen). Sie wurden vor allem über die Befragung der
NetzwerkpartnerInnen erschlossen, zudem konnte in zwei sozialräumli-
chen Fallstudien erfasst werden, wie die Jugendarbeit die Interessen und
Wünsche der Jugendlichen gegenüber GemeindevertreterInnen vermit-
telte, als deren Sprachrohr diesen gegenüber auftrat. Dies gelang zwar
nicht immer uneingeschränkt, aber doch in erheblichem Ausmaß. Von
essenzieller Bedeutung für die diesbezüglichen Wirkmöglichkeiten mo-
biler Jugendarbeit erweist sich eine gute und enge Kooperationsbasis mit
den kommunalpolitischen oder anderen relevanten AkteurInnen des Ge-
meinwesens.
• Die Studienergebnisse lassen mehrfach erkennen, dass Polizei und mobi-
le Jugendarbeit zwar sehr unterschiedliche, aber wichtige ergänzende
Rollen wahrnehmen, zugleich zeigen sich die Kontakte manchmal auch
als eine sensible Zone. Anhand der biografischen Fallstudie von „Jo-
hann“ wird deutlich, dass bei bestimmten Konfliktkonstellationen zwi-
schen Jugendlichen und anderen kommunalen AkteurInnen die Polizei
nicht die adäquaten Mittel der Konfliktlösung anbieten kann, sondern auf
Ausgleich und Dialog setzende Formen der Interessensvermittlung er-
forderlich sind. Mobile Jugendarbeit konnte im vorliegenden Fall ein
friedlicheres Mit- oder jedenfalls Nebeneinander – auch zu den Nach-
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Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Title
- Wirkungsevaluation mobiler Jugendarbeit
- Subtitle
- Methodische Zugänge und empirische Ergebnisse
- Author
- Hemma Mayrhofer
- Publisher
- Verlag Barbara Budrich
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-8474-1130-7
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 378
- Keywords
- Society & social sciences, Social services & welfare, criminology, Social welfare & social services, Social work
- Category
- Geisteswissenschaften