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160 | Theoretische Voraussetzungen
Abbildung 13 veranschaulicht jeweils die Verteilung der fünf Einheitenty-
pen (relative Häufigkeiten) in den drei Teilkorpora. Der Vergleich der Vorkom-
mensfrequenzen der Einheitentypen208 zeigt, dass in den beiden regionalsprach-
lich geprägten Korpora (JD und ED) deutlich weniger kanonische Sätze
geschriebener Sprache (KS) vorkommen als im Korpus GF (Gespräche im Fern-
sehen) mit standardnahen Gesprächen; dafür treten in den privat-informellen
Freizeitgesprächen deutlich mehr Nähezeichen (Diskursmarker, Operatoren,
Sprecher- und Hörersignale etc.), aber auch mehr Anakoluthe als in den offizi-
ell-formelleren Fernsehdiskussionen auf. Im Vergleich der beiden Osttiroler
Teilkorpora JD und ED sticht v.a. das deutlich häufigere Vorkommen von kom-
pakten Strukturen (KomS) in den Gesprächen der Osttiroler Jugendlichen hervor
(JD: 32,12% vs. ED: 22,58%). Dies kann als Hinweis darauf gedeutet werden,
dass die in der Fachliteratur immer wieder vermutete besonders häufige Ver-
wendung elliptischer Strukturen im Sprachgebrauch Jugendlicher auch bei den
Osttiroler Sprecher/-innen belegt ist. Gleichzeitig ist aber auch der Einheitentyp
KS bei den jugendlichen häufiger (34,09%) belegt als bei den erwachsenen
Osttiroler/-innen (27,06%), was den quantitativen Befund in Bezug auf den
Einheitentyp KomS wieder relativiert. Wie diese Frequenzunterschiede im Detail
interpretiert werden können, wird daher in Kapitel 4.4. näher zu beleuchten
sein.
In Bezug auf die Einheitentypen der Anakoluthe (AK) und der Nähezeichen
(NZ) ist das häufigste Vorkommen jeweils in Teilkorpus ED belegt: 8,37 % der
Intonationsphrasen sind in den Gesprächen der erwachsenen Osttiroler/-innen
als AK und 31,88% als NZ realisiert. Dies deckt sich mit dem bereits beim Tran-
skribieren der Gespräche entstandenen Eindruck, dass die erwachsenen Spre-
cher/-innen in den meisten Gruppen deutlich stärker ins Gespräch involviert
waren, häufiger Einwürfe eingebracht und selbstinitiativ das Rederecht über-
nommen haben, aber auch durch hörerseitige Rezeptionssignale ihre Aufmerk-
samkeit gegenüber dem/der gerade Sprechenden stärker zum Ausdruck ge-
bracht haben als dies in den Gesprächen der Jugendlichen der Fall ist.
Nachfolgende Tabelle 9 zeigt die Verteilungen der Einheitentypen in den ein-
zelnen Gesprächen. Hier wird ersichtlich, dass das Vorkommen von Anakolut-
hen und Nähezeichen in allen Freundesgesprächen aus Korpus ED relativ
gleichmäßig hoch belegt ist (AK: zwischen 7,07% und 10,64%; NZ: zwischen
27,67% und 35,07%). Das relative Vorkommen der Nähezeichen ist besonders
häufig belegt in Gruppengesprächen mit drei oder mehr als drei Personen (ED 4:
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208 Die beobachteten Verteilungen des Vorkommens der Einheitentypen in den Teilkorpora
JD, ED und GF sind hochsignifikant: χ2=2373,985 (df=8).
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute