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Das gilt etwa fĂĽr die u.a. bei Androutsopoulos (vgl. 1998: 103) als jugend-
spezifisch beschriebenen Suffixe -i und -o (vgl. Anarcho, aggro, Schleimi). In der
Osttiroler Erwachsenen- findet sich gar kein, in der Jugendkommunikation le-
diglich ein Beleg fĂĽr das Suffix -o bzw.-i:
Beispiel 34: [vorname] [NACHname]; (.) tua is HANdy weg; (.) oba FLOTti. [JD 17, Z. 913f.]
'[Vorname] [Nachname]; Tu das Handy weg. Aber flotti.'
Ähnlich fällt der Befund in Bezug auf so genannte „Wurzelwörter“ (Inflektive)
aus (vgl. Androutsopoulos 1998: 186 und 319):213 Bis auf einen Beleg, der even-
tuell als Inflektiv gelten könnte (Bsp. 35), lassen sich keinerlei Beispiele für
„Wurzelwörter“ in Gesamtkorpus JD finden.
Beispiel 35: <<lächelnd> non sig_i wi> schau i kurz HINter sig_i die [name] bei der [name]-
(-) PACK; [JD 13, Z. 1107f.
'Dann sehe ich – schaue ich kurz nach hinten – und sehe wie die [Name] bei der [Name]: Pack.
[iSv.: packt?/oder auch: Geräusch eines Schlages?/Zufallen der Tür?]'
Häufiger sind die den Inflektiven ähnlichen, aber aus syntaktischer Perspektive
weniger relevanten Lautwörter (onomatopoetische Ausdrücke) belegt, die in
Schlobinski/Kohl/Ludewigt (1993: 2930) und Reinke (1994: 298) als möglicher-
weise jugendspezifisch genannt werden (vgl. die Bspe. 36 und 37):
Beispiel 36: woah du muasch da denken voll so Obe; TUFF; [JD 3, Z. 829f.]
'Woah, du musst dir denken voll so hinunter: Tuff!'
Beispiel 37: waasch eh de schreiben do a bissl MIT, °hh und af <<lächelnd> Amol> t (-) geht_s
so; (--) ((macht Schnarchgeräusche)) (--) <<lachend> TUSCH>- <<lachend> da kulli follt auf_n
BOden>; [JD 13, Z. 102ff.]
'WeiĂźt eh, die schreiben da ein bisschen mit. Und auf einmal geht es so ((macht Schnarchge-
räusche)) – Tusch! Der Kugelschreiber fällt auf den Boden.'
Der Gebrauch von Lautwörtern ist jedoch in Teilkorpus ED mit 14 Belegen (5
Belege in Teilkorpus JD) sogar häufiger belegt, die nachfolgenden drei Äuße-
rungen aus Teilkorpus ED sollen exemplarisch dafĂĽr genannt werden:
Beispiel 38: jo mein marillenbaam isch jo zwoa s (.) ZWOA winter und gonz SUper und LÄSsig-
und auf !OA!mol (--) TACK; [ED 6, Z. 2546f.]
'Ja, mein Marillenbaum ist ja zwei Winter und ganz super und lässig, und auf einmal: tack!'
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213 Diese Konstruktionen mit bis auf den Wortstamm „reduzierten“, unflektierten, infiniten
Verben wurden und werden v.a. im Kontext von Online-Kommunikation unter Jugendlichen
beschrieben (vgl. z.B. Schlobinski 2001).
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute