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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Parataxe und Hypotaxe | 181 Der weil-Satz in (53a) begründet epistemisch, warum ich weiß, dass Harry sich verspäten wird (ich habe es von dessen Frau erfahren)230, während (53b) die Tatsache, dass Harry später kommt, faktisch damit begründet, dass ich mich mit seiner Frau unterhalten habe, was sich auf Harrys Zeiteinteilung ausgewirkt hat (mein Sprechen mit seiner Frau ist der Grund für Harrys Verspätung). Der epistemische Gebrauch von weil findet sich auch in folgendem authentischen Beleg (54). Die Sprecherin begründet ihre im Bezugssatz getätigte Feststellung (ihre Bekannte muss zum Studieren in eine andere Stadt ziehen) mit der Schlussfolgerung, dass die betreffende Person nicht in Osttirol bleiben kann (denn dort gibt es keine Universität): Beispiel 54: ED 1, Z. 1861ff.: „Studium“ 1861 Tri: (--) jo do muasst se non SOwieso irgendwo onderscht hingiahn studieren;=nit? 1862 → (-) weil sie konn jo EH nit dobleiben. 1863 (---) oder- 1864 (--) wenn se hetz stu!DIE!ren will. 'Ja da muss sie dann sowieso irgendwo anders hingehen zum Studieren nicht? - weil sie kann ja eh nicht dableiben [in Osttirol]. - oder - wenn sie jetzt studieren will.' Nun ist die epistemische Begründung nicht der einzige nicht-faktische Typ von weil-Sätzen mit Verbzweitstellung. Ebenso kann nicht-faktisches weil die im Bezugssatz ausgeführte Sprechhandlung begründen. Ein prototypisches, wenn auch konstruiertes Beispiel ist folgendes: Beispiel 55: Mach bitte das Fenster zu. Weil mir ist kalt. Die Äußerung wird nach dem Muster „Ich fordere dich auf + Teilsatz A, weil Teilsatz B“ (vgl. Günthner 1993: 41) gelesen, der weil-Satz bezieht sich auf die Sprechhandlung selbst (die Aufforderung), die der Sprecher/die Sprecherin soeben ausgeführt hat. Es handelt sich hier also um eine Art „Sprechaktqualifi- kation“, wie sie auch im authentischen Beleg (56) zu finden ist: || 230 Küper (1991: 137) spricht auch von einer diagnostischen Gebrauchsweise des weil-Satzes, da „[n]icht ein (außersprachlicher) Sachverhalt […] begründet [wird], sondern eine Schlussfol- gerung/Diagnose.“ In (53a) wird die Schlussfolgerung, dass Harry zu spät kommt, begründet, in (53b) dagegen die Tatsache, dass Harry zu spät kommt.
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Title
Jugendkommunikation und Dialekt
Subtitle
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Author
Melanie Lenzhofer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Size
14.8 x 22.0 cm
Pages
502
Category
Geographie, Land und Leute
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