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184 | Empirische Analysen
dabei „die Funktion einer kognitiven Deblockierung: Es öffnet eine Schleuse,
durch die sprachlich verflüssigte Erfahrung im Akt des Formulierens freigesetzt
wird.“ (Dittmar/Bressem 2005: 120) Nach Gohl/Günthner (1999) können vier
Diskursfunktionen unterschieden werden: Die Konstruktion kann als Einleitung
einer Zusatzinformation, als Einleitung einer narrativen Sequenz oder um einen
thematischen Wechsel anzuzeigen verwendet werden.233 Besonders häufig ist
der Gebrauch von koordinierendem weil jedoch als konversationelles Fortset-
zungssignal. „In solchen Fällen nutzt eine Sprecherin das projektive Potential
von weil, um den aktuellen Redezug fortzusetzen“ (Gohl/Günthner 1999: 51).
Der/die Sprecher/-in verwendet weil als Diskursmarker234, als Mittel zur Siche-
rung des Rederechts im Gespräch. Folgendes Beispiel (60) zeigt anschaulich,
wie weil in der Verteilung des Rederechts zum Einsatz kommt.235 Dem Ausschnitt
geht die Feststellung voraus, dass eine Bekannte der Sprecherinnen ein Prakti-
kum in einer medizinischen Einrichtung, in der Kinder therapiert werden, ma-
chen will.
Beispiel 60: ED 1, Z. 1833-1848: „Sozialberufe“
1833 Tri: a a so a: (1.0) thera!PIE! sozusogen;
1834 Wal: =jo: geNAU.
1835 Tri: =do oben MOchen.
1836 Wal: =geNAU.
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tion von weil als Diskursmarker nicht der Verbzweitstellung vorbehalten, sondern kann auch
mit Verbendstellung auftreten (vgl. Dittmar/Bressem 2005: 121, FN 32).
233 Beispiele zu diesen diskursorganisatorischen Funktionen finden sich bei Gohl/Günthner
(1999: 4251).
234 Fiehler et al. (2004) zählen diesen Gebrauch von weil als Diskursmarker zu den Operator-
Skopus-Strukturen. Unter einer Operator-Skopus-Struktur verstehen die Verfasser „[…] eine
spezifische sprachliche Einheit, die durch eine interne Zweigliedrigkeit gekennzeichnet ist,
wobei der erste Teil, der Operator, als Verstehensanweisung für den nachfolgenden Teil, den
Skopus, fungiert.“ (Fiehler et al. 2004: 241). Der Operator weil gibt dem Leser demnach zu
verstehen, dass im Skopus eine Begründung für einen zuvor genannten Sachverhalt folgen
wird. Die Verfasser ordnen weil mit Verbzweitstellung den Operator-Skopus-Strukturen zu,
ohne jedoch näher auf besondere Charakteristika im Vergleich zu anderen Strukturen des
gleichen Typs einzugehen.
235 Es soll jedoch nicht der Eindruck entstehen, als würde von den kausalen Konnektoren nur
weil als Diskursmarker vorkommen. Auch denn kann als Signal zur Fortsetzung des Redebei-
trags verwendet werden. Wegener (1999: 11) führt dies näher aus: „Der Gebrauch einer Kon-
junktion als Fortsetzungssignal ist also keineswegs eine Besonderheit der mündlichen Kom-
munikation […] und auch die imponierende Wirkung, die Keller (1993: 244) für weil anführt, ist
mit denn schon gegeben und wird auch in schriftlichen Texten genutzt.“
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute