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Parataxe und Hypotaxe | 197
von da und denn als weitere Kausalkonnektoren neben weil ist im standardna-
hen Teilkorpus GF die überwiegende Mehrheit aller Belege (69%) mit Verbspä-
ter- oder Verbletztstellung realisiert. Damit ist zu erkennen, dass die koordinie-
renden Realisierungsvarianten (Verbfrüher- und Verbzweitstellung) eher als
charakteristisch für die dialektal geprägten Teilkorpora angesehen werden
können. Wie stark die regionale Bindung von weil-Verbzweitkonstruktionen im
Detail ist und in welchen Dialekten (bzw. Dialekträumen) sie als dialektspezi-
fisch hochfrequent gelten können, kann anhand der hier vorliegenden Ergeb-
nisse allerdings nicht festgelegt werden. In Anlehnung an Auers Dreiteilung in
a) „non-standard non-dialectal features“, b) „Dialektmerkmale“ und c) „gene-
relle syntaktische Merkmale der gesprochenen Sprache“ (Auer 2004: 72) ist aber
zumindest festzuhalten, dass es sich bei der Verbzweitstellung nach weil wohl
nicht um ein allgemeines, überregional und in allen situationalen Kontexten in
der gesprochenen Sprache häufig vorkommendes Phänomen (Typ a) handelt.246
Schließlich zeigt die Frequenzanalyse, dass in standardnaher mündlicher
Kommunikation mit großer öffentlicher Reichweite Konstruktionen mit weil und
Verbspäter- oder Verbletztstellung deutlich häufiger als weil mit Verbfrüher-
oder Verbzweitstellung vorzufinden sind. Ob koordinierendes weil jedoch als
spezifisch für einen Dialekt (das (Süd-)Bairische) gelten kann oder es sich dabei
um ein Phänomen mit größerer regionaler Verbreitung bei gleichzeitiger stan-
dardsprachlicher Sanktionierung im Sinne eines „non-standard non-dialectal
feature“ handelt, kann nur unter Einbezug weiterer Forschung247 anhand groß-
räumiger Korpora festgestellt werden.
Hinsichtlich der sprecherbezogenen Verteilung der weil-Konstruktionen in
ihren verschiedenen Verbstellungsvarianten konnte im Vergleich der beiden
dialektal geprägten Teilkorpora JD und ED jedenfalls weder in Bezug auf das
Alter, noch auf das Geschlecht oder die kleinregionale Zuordnung248 der Spre-
||
246 Zur Abgrenzung oraler gegenüber arealer syntaktischer Variation vgl. auch die Anmer-
kungen in Kapitel 1.1.2.
247 Dittmar/Bressem (2005) analysieren etwa das Vorkommen von weil-Konstruktionen im
„Berliner Wendekorpus“. Es besteht aus 60 konversationellen Interviews über den Berliner
Mauerfall, die in den Jahren zwischen 1993 und 1996 geführt und aufgezeichnet wurden. Die
Autoren können in ihren Daten „keinen Zusammenhang finden zwischen Häufigkeit der Reali-
sierung von weil + Vzweit und Stärke des Dialektgebrauchs. Offenbar handelt es sich eher um ein
umgangssprachliches und alltagssprachspezifisches Merkmal“ (Dittmar/Bressem 2005: 116).
Angesichts der Tatsache, dass die Aufnahmen des Berliner Wendekorpus bereits 20 Jahre
zurückliegen, müsste die Aktualität einer solchen Feststellung jedoch überprüft werden.
248 Zur Zusammenfassung der verschiedenen Aufnahmeorte in Osttirol zu Kleinregionen vgl.
Kapitel 2.3.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute