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bene syntaktische Wandel sukzessive vollzieht und sich die Standardabfolge
auch im Süden Österreichs und damit auch in Osttirol nach und nach durchzu-
setzen scheint, sodass bei heute sehr jungen Sprecher/-innen der Region nur
äußerst selten eine Äußerung dieser Typen 3i-k in Nonstandard-Realisierung zu
finden ist.
4.3.3.3 Formale, semantische und pragmatische Einflussfaktoren
Mit der eingehenden Beschreibung der verschiedenen Typen der Abfolge-
Varianten und der Darstellung ihrer Verteilung ist noch nichts über das Warum
dieser Stellungsalternation im Verbalkomplex und über mögliche Gründe für
die sich, wenn auch seltener, aber immer noch im Gebrauch befindliche I-II-
Abfolge ausgesagt. Diesbezüglich (v.a. zur Stellungsalternation in Verbalkom-
plexen im Nebensatz) finden sich v.a. in sprachhistorisch ausgerichteten Arbei-
ten Informationen (z.B. Härd 1981; Ebert 1981; Lötscher 2010; Sapp 2011; Kras-
selt 2013). Die Ergebnisse dieser Arbeiten zusammenfassend lassen sich
zunächst einige formale Charakteristika als besonders einflussreich auf die
Abfolge der Elemente im Verbalkomplex zusammenfassen:
1. die Wortart des vorangehenden Wortes: Pronomen, Negationspartikel und
Adverben vor dem Verbalkomplex begünstigen die Realisierung in II-I-
Abfolge, Substantive und Adjektive die umgekehrte Reihenfolge.
2. die Art der im Verbalkomplex vorkommenden Verben: Sind Modalverben
involviert, begünstigt dies die I-II-Abfolge, weniger häufig ist dies bei Hilfs-
verben (sein häufiger als haben, am seltensten bei werden) der Fall.404
3. die Anzahl der Konstituenten im Verbalkomplex: Drei- und viergliedrige
Verbalkomplexe sind variabler als zweigliedrige.
Die in Punkt zwei und drei genannten Faktoren wurden bereits im Rahmen der
Frequenz-analyse (vgl. Kapitel 4.3.3.2.) angesprochen – ihre Gültigkeit bestätigt
sich auch mit Blick auf die Osttiroler Freizeitkommunikation. Dass die Semantik
der im Verbalkomplex vorkommenden Verben eine besonders große Rolle
spielt, zeigt sich v.a. an Äußerungen mit Beteiligung von Modalverben. Die
formale Analyse der Belege zeigte dies jedoch auch in Bezug auf das Verb an-
fangen (z.B. sobald es herunten anfängt einmal schön werden), das in den Ostti-
||
404 Detaillierte Ausführungen zu weiteren Verbklassen (neben den Modalverben) als stel-
lungsdeterminierender Faktor in Ersatzinfinitivkonstrukionen finden sich in Schallert (2014b:
202).
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute