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In allen Beispielen (223-226) ist die Verbform mit dem größten lexikalischen
Informationswert mit Fokusakzent versehen (herschlagen, aufregen, schunkeln,
gefickt). Steht das finite Verb in Letztposition (Bspe. 224 und 226), so zeigt es
gleichzeitig an, dass die Klammer abgeschlossen und die syntaktische Projekti-
on eingelöst ist. Der pragmatische Einflussfaktor der Vermeidung anti-
rhematischer Elemente am rechten Satzrand ist es zu verdanken, dass aber auch
Abfolgevarianten wie in (223) und (225) vorkommen. „Die Stellung V1-V2 wäre in
dieser Perspektive weniger als Voranstellung eines regierenden Verbs als als
Nachstellung bzw. Ausklammerung eines rhematischen Verbs zu interpretie-
ren“, betont auch Lötscher (2010: 610) den Bezug zur Informationsstruktur der
Äußerungen mit I-II-Verbstellung. Die Abfolgevariation sei in diesem Licht „le-
diglich eine pragmatische Angelegenheit; die Variabilität wäre danach deshalb
möglich, weil ihr keinerlei grammatische Beschränkung entgegensteht“ (Löt-
scher 2010: 611). Ein weiterer Grund dafür, dass (v.a. im zweigliedrigen Verbal-
komplex) die I-II-Abfolge zu finden ist, liegt Lötscher zufolge aber auch im Ver-
arbeitungsprozess selbst begründet:
Dass ein regierendes Element einem regierten nachfolgt, ist auf jeden Fall performanzmä-
ßig aufwendiger als die umgekehrte Reihenfolge, denn sie verursacht einen höheren Pla-
nungs- und Speicheraufwand in Bezug auf die zwischenzuspeichernden Lexeme und de-
ren grammatische und semantische Merkmale. (Lötscher 2010: 612)
Auch wenn zwischen klammerfähigen Strukturen (etwa im Mittelfeld innerhalb
einer Verbalklammer) in mündlicher im Vergleich zu schriftlicher Kommunika-
tion weniger Elemente stehen, so findet dennoch auch in der gesprochenen
Sprache insgesamt kein Abbau klammerfähiger Konstruktionen statt. Thurmair
(1991: 186) belegt, dass auch in mündlicher Kommunikation zwei Drittel der
Hauptsatzkonstruktionen eine Verbalklammer enthalten. Über die von Klam-
merstrukturen eröffneten Projektionen (vgl. Auer 2005; 2009)409 werden dabei
laufend Hypothesen gebildet, wodurch der Rezipient Teil des „syntaktischen
Dekodierungsprozesses“ (Nübling 2008: 99) wird.
Dass sich im Laufe der Zeit entgegen dieser pragmatischen Faktoren die II-I-
Stellung (v.a. in schriftlicher, zunehmend aber auch in mündlicher Kommuni-
kation) durchsetzen konnte, ist Lötscher (2010: 626627) zufolge in der Interpre-
tation der Nachstellung als Distanzsignal begründet:
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409 Zur näheren Beschreibung der Projektionskraft syntaktischer Konstruktionen vgl. auch
Kapitel 3.3.2.1.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute