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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Serialisierung | 327 In allen Beispielen (223-226) ist die Verbform mit dem größten lexikalischen Informationswert mit Fokusakzent versehen (herschlagen, aufregen, schunkeln, gefickt). Steht das finite Verb in Letztposition (Bspe. 224 und 226), so zeigt es gleichzeitig an, dass die Klammer abgeschlossen und die syntaktische Projekti- on eingelöst ist. Der pragmatische Einflussfaktor der Vermeidung anti- rhematischer Elemente am rechten Satzrand ist es zu verdanken, dass aber auch Abfolgevarianten wie in (223) und (225) vorkommen. „Die Stellung V1-V2 wäre in dieser Perspektive weniger als Voranstellung eines regierenden Verbs als als Nachstellung bzw. Ausklammerung eines rhematischen Verbs zu interpretie- ren“, betont auch Lötscher (2010: 610) den Bezug zur Informationsstruktur der Äußerungen mit I-II-Verbstellung. Die Abfolgevariation sei in diesem Licht „le- diglich eine pragmatische Angelegenheit; die Variabilität wäre danach deshalb möglich, weil ihr keinerlei grammatische Beschränkung entgegensteht“ (Löt- scher 2010: 611). Ein weiterer Grund dafür, dass (v.a. im zweigliedrigen Verbal- komplex) die I-II-Abfolge zu finden ist, liegt Lötscher zufolge aber auch im Ver- arbeitungsprozess selbst begründet: Dass ein regierendes Element einem regierten nachfolgt, ist auf jeden Fall performanzmä- ßig aufwendiger als die umgekehrte Reihenfolge, denn sie verursacht einen höheren Pla- nungs- und Speicheraufwand in Bezug auf die zwischenzuspeichernden Lexeme und de- ren grammatische und semantische Merkmale. (Lötscher 2010: 612) Auch wenn zwischen klammerfähigen Strukturen (etwa im Mittelfeld innerhalb einer Verbalklammer) in mündlicher im Vergleich zu schriftlicher Kommunika- tion weniger Elemente stehen, so findet dennoch auch in der gesprochenen Sprache insgesamt kein Abbau klammerfähiger Konstruktionen statt. Thurmair (1991: 186) belegt, dass auch in mündlicher Kommunikation zwei Drittel der Hauptsatzkonstruktionen eine Verbalklammer enthalten. Über die von Klam- merstrukturen eröffneten Projektionen (vgl. Auer 2005; 2009)409 werden dabei laufend Hypothesen gebildet, wodurch der Rezipient Teil des „syntaktischen Dekodierungsprozesses“ (Nübling 2008: 99) wird. Dass sich im Laufe der Zeit entgegen dieser pragmatischen Faktoren die II-I- Stellung (v.a. in schriftlicher, zunehmend aber auch in mündlicher Kommuni- kation) durchsetzen konnte, ist Lötscher (2010: 626627) zufolge in der Interpre- tation der Nachstellung als Distanzsignal begründet: || 409 Zur näheren Beschreibung der Projektionskraft syntaktischer Konstruktionen vgl. auch Kapitel 3.3.2.1.
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Title
Jugendkommunikation und Dialekt
Subtitle
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Author
Melanie Lenzhofer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Size
14.8 x 22.0 cm
Pages
502
Category
Geographie, Land und Leute
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