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344 | Empirische Analysen
Beispiel 238: schunscht hom se Ø erschten mai ONgfongen;=ge- [ED 3, Z. 1274f.]
'Sonst haben sie [am] ersten Mai angefangen, oder?'
Beispiel 239: Bar: wonn kimmp_n da [NAme] überhaup; Ni: (1.0) Ø auGUSCHT, [JD 13, Z. 137ff.]
'Bar: Wann kommt denn der [Name] überhaupt. Ni: [Im] August.'
Beispiel 240: woasch i muass meischtens Ø wochenende OARbeten ge- [ED 4, Z. 622ff.]
'Weißt du, ich muss meistens [am] Wochenende arbeiten, gell?'
Beispiel 241: zehn noch sechse FOAHR_i meischtens. [ED 4, Z. 1227]
'[Um] zehn nach sechs fahre ich meistens.'
Beispiele wie diese werden von Heike Wiese in Bezug auf das Kiezdeutsche
beschrieben (Wiese 2012: 56). Sie beschreibt das systematische Vorkommen
„bloßer Nominalphrasen“ als Zeitangaben (Bsp.: „Ich werde zweiter Mai fünf-
zehn.“) als ein Spezifikum des Kiezdeutschen in Abgrenzung zur Standardvarie-
tät:
Kiezdeutsch verallgemeinert und baut hier also etwas weiter aus, was es im Deutschen
sonst auch schon gibt, das aber dort stärker beschränkt ist. Mit anderen Worten: Wir fin-
den eine Innovation in Kiezdeutsch, die entsteht, indem eine grammatische Möglichkeit
des Deutschen in ihrem Anwendungsbereich generalisiert wird. (Wiese 2012: 57)
Die Autorin geht von einer Art Grammatikalisierungsprozess aus, bei dem
normgrammatische Gegebenheiten innerhalb eines bestimmten Kommunikati-
onsbereiches aufgenommen und erweitert werden und sich gegebenenfalls von
den Sprecher/-innen dieses Kommunikationsbereiches weiter auf nicht ethno-
lektal markierte Domänen ausbreiten können. In Anbetracht der Tatsache, dass
nicht nur Orts- sondern auch Zeitangaben bei den Jugendlichen und auch bei
den Erwachsenen Osttirols vorkommen, scheint es sich hier weder um eine
Spezifik oder gar eine Innovation des Kiezdeutschen zu handeln noch bestätigt
sich die von Wiese angenommene Tendenz, diese komme v.a. bei den jugendli-
chen Sprecher/-innen vor. Bestätigen lässt sich zunächst also nur, dass die
präpositionslose Realisierung sowohl in lokalen, direktionalen als auch tempo-
ralen Kontexten vorkommen kann. Dass dieses Phänomen altersexklusiv nur
bei jugendlichen Sprecher/-innen vorkommt, muss in Bezug auf den Sprachge-
brauch in Osttirol – wie oben bereits ausgeführt wurde – verneint werden.429
Inwiefern aber von einem alterspräferentiellen Muster – also einem verstärkten
Vorkommen des Präpositions-Wegfalls unter den Jugendlichen in Osttirol im
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429 Gegen die Annahme des Präpositions-Wegfalls als jugend-exklusiv spricht auch, dass
Branka Ivušić (2011: 92) das Phänomen im Untersuchungsort Hallein (Salzburg) nicht nur bei
Jugendlichen, sondern auch bei 8-9jährigen Volksschulkindern beobachtet.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute