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Jugendkommunikation und Dialekt - Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
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Kompaktheit | 363 Beispiel 272: do geht hetz olls (-) SOMmerpause. [JD 9, Z. 132] 'Da geht alles [auf] Sommerpause.' Einige der unter den belegten Lokaladverbialen ohne PrĂ€position besonders frequenten Verbindungen scheinen bereits stark lexikalisiert zu sein, z.B.: Klo gehen, Schule gehen oder Kino gehen.444 Hier stellt sich die Frage, ob diese mög- licherweise bereits lexikalisierten Konstruktionen Ă€hnlich wie Schi fahren (vgl. mit Schiern fahren), eislaufen (vgl. auf dem Eis laufen) oder Rad fahren (vgl. mit dem Rad fahren) als Inkorporierung von Substantiven ins Verb analysiert wer- den können. Dagmar Bittner (2010) behandelt dieses PhĂ€nomen in einem Aufsatz zur Klammerstruktur des Deutschen. Die – nach Wurzel (1993) im Gegenwartsdeut- schen zunehmende – Inkorporierung von Substantiven ins Verb sieht sie als „klammerstĂ€rkende[n] Prozess“, der „zur Bildung von distanzstellungsfĂ€higen Verben“ (Bittner 2010: 239) fĂŒhre. Da das inkorporierte Nomen seine unabhĂ€n- gigen syntaktischen Funktionen als Teil einer PrĂ€positional- bzw. Nomin- alphrase verliert, mĂŒssen ihm weder PrĂ€position noch Determinierer beigestellt werden (vgl. Berman 2009: 108). Die Motivation fĂŒr diesen Prozess der Lexikali- sierung sieht Bittner „wie bei den Partikelverben in der Bereitstellung von Ver- ben [
], die eine kontrastfreie ‚SĂ€ttigung‘ von Assertions- und Rhemaposition erlauben“ (Bittner 2010: 239). Rhematische Informationseinheiten können demnach einen Prozess der „Verbartigmachung“ (Bittner 2010: 241) durchlau- fen. Beispiele mit Artikelwegfall wie „
 weil ich in Erdkunde PrĂŒfung schreibe.“ (240) beschreibt Bittner als „okkasionelle Inkorporierungen“ (241). Es entstehe hier „ein PrĂ€dikat karte-mithaben, buch-kaufen bzw. prĂŒfung-schreiben“ (Bittner 2010: 241). Dieser Prozess scheint sich auch bei den oben angesprochenen Kon- struktionen „Kino/Schule/Klo gehen“ abzuzeichnen. Die folgenden konstruier- ten Beispiele sollen die NĂ€he solcher okkasioneller Inkorporierungen zu Parti- kelverbkonstruktionen demonstrieren: Beispiel 273: Normalerweise gehe ich freitags mit meinen Freunden aus. Beispiel 274: Normalerweise gehe ich freitags mit meinen Freunden Kino/kino. Wie beim Verb ausgehen bildet die Konstruktion Kino gehen eine lexikalische Einheit, die in Distanzstellung stehen kann. In diesem Sinne wĂ€re Kino (oder || 444 Hierbei könnte auch die Tatsache, dass Konstruktionen wie „Kino gehen“ den gesamten Ablauf (im Sinne eines Scripts, d.h. des erwarteten zeitlichen Verlaufs von Handlungsfolgen: ein Ticket erwerben, sich GetrĂ€nk und Knabbereien kaufen, den Film ansehen, sich im An- schluss darĂŒber austauschen) erfasst, den PrĂ€positionswegfall begĂŒnstigen.
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Jugendkommunikation und Dialekt Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Title
Jugendkommunikation und Dialekt
Subtitle
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
Author
Melanie Lenzhofer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-050330-2
Size
14.8 x 22.0 cm
Pages
502
Category
Geographie, Land und Leute
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