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366 | Empirische Analysen
tet werden und von einer Verbreitung der präpositionslosen Konstruktion einer-
seits durch gemischt-ethnische Gruppen und andererseits ĂĽber die Medien aus-
gegangen wird, ist in Bezug auf die Osttiroler Sprecher/-innen vielmehr von
einem diatopisch geprägten Phänomen, das sich beeinflusst von der Sprach-
kontaktsituation mit dem Slowenischen in Südkärnten ausgehend auch in Ostti-
rol verbreitet hat, plausibel. Das erklärt auch die – im Vergleich zu den Ergeb-
nissen bei Auer (2013b) in Bezug auf Stuttgarter Migrantenjugendliche – relativ
hohe Frequenz des Präpositionswegfalls bei den erwachsenen Osttiroler Teil-
nehmer/-innen.
Wie sich gezeigt hat, ist der Preposition drop hier also (auch) unter dialekto-
logischer Perspektive zu analysieren. An dieser Stelle sei noch einmal auf die
Arbeiten von Heinz-Dieter Pohl (1989; 2009) verwiesen, der den Süden Kärntens
als Ausgangspunkt der präpositionslosen Richtungskodierung sieht, präpositi-
onslose Lokalkodierung aber als deutlich seltener vorkommend einschätzt.
Diese Beurteilung scheint sich durch die Osttiroler Daten zu bestätigen.447 Über-
raschend ist dagegen, dass auch die Temporaladverbiale in Korpus JD und ED
häufig ohne Präposition realisiert sind und dass die direktionalen Lokaladver-
biale in den untersuchten Beleggruppen sogar häufiger ohne als mit Präposition
belegt sind.
Aus dialektologischer Perspektive ist ebenfalls festzuhalten, dass nicht nur
Belege ohne Präposition in den beiden Korpora JD und ED aufzufinden sind,
sondern dass auch Äußerungen mit dialektalem Präpositionalgebrauch – so-
wohl bei den Jugendlichen als auch bei den Erwachsenen – belegt sind, z.B.:
auf Innsbruck fahren, auf Matrei gehen. Doch auch wenn fĂĽr beide Altersgrup-
pen Gemeinsamkeiten festgestellt wurden, so ist in der Häufigkeit des Vorkom-
mens präpositionsloser Präpositionalphrasen in Lokal- und Temporaladverbia-
len ein signifikanter Unterschied nachweisbar. In den Gesprächen der
jugendlichen Osttiroler/-innen sind rund 39% der Präpositionalphrasen in syn-
taktischer Funktion als Lokal- oder Temporaladverbiale ohne Präposition reali-
siert, für die Gruppe der Erwachsenen konnte dagegen „nur“ ein Wert von rund
29% festgestellt werden. Dieses Verhältnis bestätigte sich auch unter Einbezug
von Restkorpus JD – also im Vergleich des Gesamtkorpus JD mit Korpus ED.
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447 Der Vergleich mit den Ergebnissen bezĂĽglich der Jugendkommunikation in Hallein (Salz-
burg) aus Ivušić (2011) deutet darauf hin, dass das hohe Vorkommen präpositionsloser Präposi-
tionalphrasen mit Lokal-, Richtungs- und Zeitkodierung eher auf den SĂĽden Ă–sterreichs be-
schränkt sein könnte. Dies wäre anhand eines größeren, Jugendkommunikation aus ganz
Österreich erfassenden Korpus näher zu beleuchten.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute