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392 | Empirische Analysen
ten Dialekten des Deutschen zusammenhängt und wie es sich damit fokussiert
auf bestimmte Kommunika-tionstypen und -situtationen verhält, ist bisher noch
wenig erforscht. In einem Teilprojekt zu Topik-Drop und Pro-Drop im gespro-
chenen Deutsch am Institut fĂĽr deutsche Sprache in Mannheim, betreut von
Henrike Helmer, wird u.a. geprüft, „inwiefern verschiedene Gesprächstypen
formeller und informeller Art bei der Erklärung von Pro-Drop eine Rolle spielen
und welche weiteren Faktoren (z.B. Sprechrhythmus bzw. Prosodie) berĂĽcksich-
tigt werden müssen.“470 Die Publikation der Ergebnisse dieses Teilprojekts steht
jedoch noch aus.
Mit Blick auf die hier vorliegenden diskursiven Daten können lediglich ein-
zelne Beobachtungen konstatiert werden, etwa dass in einem groĂźen Teil der
Belege mit Vollrealisierung des Personalpronomens, nämlich rund 37% der 568
Belege, der Fokusakzent auf dem finiten Verb liegt (vgl. Bspe. 344-346):
Beispiel 344: GEHSCH du oft morgen schwimm oder IT; [JD 23, Z. 242]
'Gehst du also morgen schwimmen oder nicht.'
Beispiel 345: FOAHSCH du amol rock am ring; [JD 20, Z. 658]
'Fährst du irgendwann einmal [zu] Rock am Ring?'
Beispiel 346: MUASCH du de korten hinmochen. [JD 17, Z. 215f.]
'Musst du die Karten kaputtmachen?'
Dabei handelt es sich aber nicht um eine generelle prosodische Beschränkung,
sondern lediglich um einen die Realisierung des Personalpronomens begĂĽnsti-
genden Faktor. Das zeigt sich daran, dass trotz Fokusakzents auf dem finiten
Verb auch eine enklitische Realisierung (vgl. Bsp. 329) oder sogar der Wegfall
des Personalpronomens möglich ist (vgl. Bsp. 313). Weiterführende Analysen
anhand größerer Korpora gesprochener Sprache in Projekten wie dem oben
angesprochenen könnten hier über reine Beobachtung hinausgehend interes-
sante Ergebnisse liefern.
Ein Erklärungsmuster für den Hauptbefund der Frequenzanalyse in Kapitel
4.4.2.2., nämlich das signifikant höhere Vorkommen der Nullrealisierung in den
Gesprächen der jugendlichen im Vergleich zu den erwachsenen Osttiroler/-
innen, könnte im Bereich der von den Jugendlichen kommunikativen Kontexte
der betreffenden Äußerungen angesiedelt sein. So fällt etwa auf, dass Pro-Drop
im Vorfeld bei den Jugendlichen besonders häufig in Äußerungsabschnitten
sogenannten „konstellativen Schilderns“ (vgl. Redder 2006) bzw. in „szeni-
schen Erzählpassagen“ (vgl. Günthner 2006) vorkommen. Dabei handelt es sich
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470 Eine detailliertere Projektbeschreibung findet sich online unter:
http://www1.ids-mannheim.de/prag/verbkomplemente/tp2.html (10.09.2013).
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Title
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Subtitle
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Author
- Melanie Lenzhofer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Size
- 14.8 x 22.0 cm
- Pages
- 502
- Category
- Geographie, Land und Leute