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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums - Europäische Museumskultur um 1800, Volume 2
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Page - 534 - in Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums - Europäische Museumskultur um 1800, Volume 2

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534 Ullrich Sammlungspräsentation nis nicht mehr vergessen können. Die beteiligten Werke haben sich dann – zumindest für alle, die angesichts derselben Konstellation dieselbe Einsicht hatten – dauerhaft in ihrer Be- deutung angereichert. Und wenn das eine oder andere Werk zu einem späteren Zeitpunkt in einer neuen Konstellation wieder in einen interessanten Bezug zu anderem gebracht wird, kann die daraus folgende Erkenntnis ebenfalls sinnstiftend wirken und so zu einer weiteren Bedeutungsaufladung führen. Doch das gilt nur, wenn eine Konstellation im Sinne einer guten Metapher gelingt, wenn also die Momente ‚Überraschung‘ und ‚Erkenntnis‘ gleichermaßen gegeben sind. Damit wäre der Beruf eines Kurators genauso wie der eines Dichters oder Theoretikers, so- fern man Aristoteles nicht widersprechen wollte, eine Sache der Begabung. Wo sie fehlt, kommt es nur zu Anordnungen, die entweder langweilig – da ohne Überraschung – oder aber gewollt – da nur überraschend, doch ohne Erkenntnis – wirken. Ersteres droht bei konventionellen, etwa nur dem Prinzip der Chronologie oder Schulzugehörigkeit folgen- den Hängungen. Hier wird durch die Konstellationen keine neue Erkenntnis vermittelt, sondern höchstens bestätigt, was ohnehin bereits kunsthistorisches Standardwissen ist, ja man bekommt dann nochmal gezeigt, inwiefern Van Dyck ein Schüler von Rubens ist oder wie verschiedene Niederländer des 17. Jahrhunderts den Bildtypus des Vanitas-Stilllebens interpretiert haben. Die Abfolge der Werke ist dann vergleichbar einem Text, in dem nur tote Metaphern auftauchen. Gewollt hingegen erschien es etwa, als in der Berliner Gemäldegalerie im Jahr 2009 zwei Werke von Giotto einem Werk Rothkos gegenübergestellt wurden. Hierbei sollten die Betrachter die an sich sehr unterschiedlichen Werke vor allem hinsichtlich ihrer Farbwir- kung wahrnehmen. Dass beide Künstler mit ähnlichen Rottönen gearbeitet haben, wurde auch durch die Bildregie im Katalog betont. Eine solche Gegenüberstellung mochte zwar überraschend sein, ihr Erkenntniswert hingegen dürfte eher gering ausfallen. Im Sinne von Max Black gesprochen: Es gibt nicht genügend oder keine als zentral empfundenen Impli- kationen, die vom einen Objekt auf das andere übertragen werden können. Im schlimms- ten Fall gelingt sogar gar keine Übertragung, die zu einer Neudeutung – zu einem Erschei- nen in anderem Licht – führen könnte. Die Konstellation ist dann so sinnlos wie der Satz „Der Mensch ist ein Schwarzton“. Doch erkennt man an dem Berliner Beispiel, dass es vielleicht auch weniger um neue Wege der Forschung – um Erkenntnis – ging als vielmehr darum, etwas zu schaffen, was man als Win-Win-Situation bezeichnen könnte: Rothko sollte als so wertvoll wie ein Alter Meister erscheinen, und die Giottos wollte man als eigentlich moderne Werke darstellen. Man tauschte also einfach die Eigenschaften ‚alt‘ und ‚neu‘, ‚ehrwürdig‘ und ‚aktuell‘ zwi- schen den Werken aus, auf dass jedes danach über doppelt so viele Qualitäten verfügen möge als zuvor. Im Vorwort wurde das, etwas gespreizt, auch zugegeben, heißt es doch, in der Ausstellung werde „beides exemplarisch thematisiert: Geschichtlichkeit ebenso wie geistige Zeitgenossenschaft großer Kunst“. So „schrumpfen die mehr als sechs Jahrhun- derte“ „im klugen Dialog der Maler“.16 Auch hier jedoch gilt das Interesse an einer Werk-Konstellation einem Effekt, der einer häufig in Anspruch genommenen Funktion von Metaphern entspricht. So können diese als Statussymbole eingesetzt werden, mit denen sich Aufwertungen vornehmen lassen. Indem man eine Metapher aus einem Bereich nimmt, der als seriös, aktuell oder relevant gilt, will man vor allem dieses Image übertragen. Statt nur darauf zu achten, ob die Ähnlichkeiten triftig genug sind, um eine Metapher zu legitimieren, die zugleich eine Erkenntnis vermit- telt, geht es dann darum, ein unterstelltes Defizit im Image einer Sache zu kompensieren. Metaphern aus der Computertechnologie, der Neurowissenschaft, dem Sport oder der Popkultur sind etwa sehr beliebt, um Phänomene aus weniger beachteten Bereichen – der Hochkultur oder der Vergangenheit – mit einem aufregenderen Anstrich zu versehen. Wer
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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums Europäische Museumskultur um 1800, Volume 2
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Title
Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums
Subtitle
Europäische Museumskultur um 1800
Volume
2
Author
Gudrun Swoboda
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2013
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79534-6
Size
24.0 x 28.0 cm
Pages
264
Category
Kunst und Kultur
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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums