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Auswertung 141
Spondylusklappen gefunden. Für diese vermutet man be-
kanntlich eine Funktion bei einem Gürtel ebenso wie für die
meisten Geweihknebel. In Kleinhadersdorf könnte nur einer
dieser Knebel (Grab 7) eine solche Verwendung gehabt haben.
Als Gewandapplikationen sind hingegen der zweite Ge-
weihknebel (Grab Verf. 17) und eine Spondylusperle (Grab
1a), beide im Kniebereich, so wie ein Anhänger aus Mollus-
kenschale (Grab Verf. 81) im Armbereich zu interpretieren.
Vermutlich diente auch das zweifach gelochte Spondylus-
schalenfragment auf der Schulter eines Kindes als aufgenäh-
te Gewandzierde. Der hakenförmige Knochenknebel im
Nacken eines Kleinkindes (Grab 9) hatte wahrscheinlich die
Funktion eines modernen Knopfes und ist somit ebenfalls
als Gewandapplikation zu interpretieren.
5.3.2 Rohmaterialien der Schmuckteile (Christine
Neugebauer-Maresch, Eva Lenneis)
Sowohl die beweglichen als auch die aufgenähten Schmuck-
teile wurden weitaus überwiegend aus den Schalen von
Mollusken (Abb. 48) und nur vereinzelt aus Geweih, Tier-
knochen oder Stein (Abb.
46) gefertigt. Die Spondylus-Ob-
jekte aus den Grabungen 1987–1991 bestimmte bereits
B. Simetsberger im Rahmen ihrer Magisterarbeit307, 2004
folgten die Untersuchungen der Spondylus-Objekte aus
1931 sowie der übrigen Mollusken durch Mathias Harz-
hauser, der Tierreste durch Erich Pucher und der Steinperle
durch Robert Seemann
(†).
307. Simetsberger 1993.
Männer von Kleinhadersdorf keinen derart kostbaren Hals-
schmuck auf, wohl aber zwei adulte Frauen und zwei Klein-
kinder. Die Frau und das Kleinkind mit den einzigen Ketten
aus mehreren Spondylusperlen sind noch aus einem ganz
anderen Grund bemerkenswert: Beide gehören zu den ganz
wenigen Personen dieses Gräberfeldes, die aufgrund der
Isotopenanalysen als „outliers“, also als Außenseiter be-
zeichnet werden können. Der Säugling aus Grab Verf. 22
hatte erhöhte δ15N – Werte, die Frau aus Grab Verf. 55 ge-
hört aufgrund ihrer Strontium-Werte zu den drei „Außen-
seitern“ der Population von Kleinhadersdorf (siehe Kapitel
6.4). Während bei dem Kleinkind die erhöhten Nitrogen-
werte vielleicht aus dem Stillen durch die Mutter resultieren,
weisen die Strontium-Werte der Frau auf eine etwas abwei-
chende Ernährung und Mobilität. Sollte sie den Spondylus-
schmuck vielleicht selbst mitgebracht haben? Da man ihr
keine Keramik mit in das Grab gegeben hat, ist sie archäolo-
gisch nicht datierbar. Ihre Knochen ergaben aber mit
6228±34 B. P. das höchste 14C-Datum dieses Gräberfeldes
(siehe auch Kapitel 6.1).
Spondylusarmringe finden sich auf den bayerischen
Gräbern nur als Armringe von Männern306, in Kleinhaders-
dorf hingegen wieder bei einem Kleinkind und einer Frau.
Bei letzterer sogar im Bereich der Beine – ungestörte Fund-
lage ? (Grab 1c aus 1931).
Im Beckenbereich wurden in Kleinhadersdorf nur bei ei-
nem Mann und einer Frau Reste von den zu erwartenden
306. Nieszery 1995, 185.
Gräberfeld Kleinhadersdorf: Schmuckstücke aus Spondylus (Grabung 1931)
Grab-Nr. Inv. Nr.
NHM Wien Beschreibung Gewicht Rohmaterial Tafel
1 a 62199 1 tonnenförmige Perle 4
g Spondylus sp. 2
1 c 62207 ½ Reifen 27
g Spondylus sp. 4
3 62219 1 kleine röhrenförmige Perle 1
g Spondylus sp. 6
3 62220 1 vollständiger Ring 128
g Spondylus sp. 6
15 78807 1 tonnenförmige Perle 14
g Spondylus sp. 12
Tabelle
31: Kleinhadersdorf: Schmuckstücke aus Spondylus (Grabung 1931).
Gräberfeld Kleinhadersdorf: Schmuckstücke aus Spondylus (1987–1991)
Verf.-Nr. Fund-Nr. Beschreibung Gewicht Rohmaterial Tafel
7 2 1 Klappenfragment mit 2 Bohrlöchern 18
g Spondylus gaederopus deshayesi L. 16
14 1 1 Blättchen 3
g Spondylus gaederopus deshayesi L. 18
17 1 1 Schalenstück mit Bohrloch 6
g Spondylus gaederopus deshayesi L. 19
18 2 Fragment von 2 aufgeklappten Schalen 25
g Spondylus gaederopus deshayesi L. 20
22 3 7 röhrenförmige Perlen 32
g Spondylus gaederopus deshayesi L. 21
32 3 1 Schlossstück 6
g Spondylus gaederopus deshayesi L. 26
55 3 5 runde Perlen 16
g Spondylus gaederopus deshayesi L. 35
Tabelle
32: Kleinhadersdorf: Schmuckstücke aus Spondylus (Grabungen 1987–1991).
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen