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Auswertung 143
Das Rohmaterial zweier weiterer, sehr ähnlicher röh-
renförmiger Perlen wurde für das Kindergrab Verf. 67-1 als
Fissidentalium badense Partsch und für das zerstörte Grab
Verf. 91 als Vermetus sp. bestimmt327. Beide Arten kommen
als miozäne Fossilien in der weiteren Umgebung des Fund-
ortes vor. Die Identifizierung des Rohmaterials des wohl
aufgenähten Anhängers aus dem Männergrab Verf. 81 war
leider nicht möglich.
5.3.2.3 Schmuckelemente / Trachtbestandteile aus Geweih
und Tierknochen
Von den beiden bereits 1931 geborgenen Trachtelemen-
ten aus tierischem Material (Tabelle
34) ist für den Knochen-
knebel aus dem Kindergrab Nr. 9 die Art leider nicht be-
stimmbar. Die gelochte Geweihsprosse des adulten Mannes
aus Grab 7, die aufgrund ihrer Lage vermutlich ein Gürtel-
schmuck oder -verschluss war (Tafel 8), stammt vom Ge-
weih eines Rothirsches ebenso wie der gelochte Anhänger
im Beinbereich des Mannes von Grab Verf. 17, bei dem sich
auch Reste einer Spondylus-Klappe im Beckenbereich fan-
den. Die Verwendung von Geweih der Hirsche zur Herstel-
lung derartiger gelochter Anhänger oder Knebel ist in der
LBK mehrfach nachgewiesen. Sie finden sich ausschließlich
in Männergräbern und fast immer in deren Beckenbe-
reich328. Die Nutzung dieses durch die Jagd gewonnenen
Rohmaterials dürfte also den Männern vorbehalten gewe-
sen sein.
327. Simetsberger 1993.
328. Haack 2008, 121 und Abb.
3.1.
Bei einer kleinen gelochten Muschelschale aus dem be-
reits mit einer üppigen Spondyluskette ausgestatteten Grab
Verf. 22 eines Säuglings handelt es sich hingegen wieder ein-
deutig um eine fossile Art, Anomia ephippium (Linné). Für
eine exakte Herkunftsbestimmung war das Stück zu wenig
signifikant, derartige Fossilien kommen aber ebenfalls rund
um Kleinhadersdorf vor.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Kopfschmuck
des Kleinstkindes aus Grab. Verf. 26 mit 124 gelochten
Schalen von Lithoglyphus naticoides (Pfeiffer). Potentielles
Herkunftsgebiet dieser Schneckenschalen sind die Uferbe-
reiche der Thaya und der March, deren Distanz von der
Fundstelle 17 km bzw. 25 km beträgt324. Die Schnecken
konnten dort lebend oder tot gesammelt werden, wobei of-
fensichtlich eine gezielte Auswahl nach der Größe vorge-
nommen wurde (siehe dazu die detaillierteren Angaben
unter Kapitel 5.3.3).
Bei den 13 röhrenförmigen Perlen aus dem Männergrab
Verf. 29 ist wieder unsicher, ob das Rohmaterial fossiler
oder rezenter Herkunft ist. Die Stücke sind als Protula cf.
protensa (Linné) bestimmt und können aus Fossilien des
Badenium (ca. 14 Mio. Jahre v. h.) im Wiener Becken stam-
men. Ihre Erhaltung ist für die bekannten Aufschlüsse in
Gainfarn untypisch, weswegen eher mit einer Herkunft aus
dem nahe gelegenen Steinebrunn zu rechnen ist. Aufgrund
der schlechten Erhaltung der Objekte ist aber auch nicht
auszuschließen, dass es sich um rezente Gehäuse dieses
Borstenwurms handelt325, der im Mittelmeer, in den glei-
chen Biotopen wie die Spondylus-Muscheln lebt326.
324. Harzhauser et al. 2007, 76.
325. Freundliche Mitteilung M. Harzhauser per E-Mail vom 7. 6.
2011.
326. Nieszery 1995, 175 und Abb.
90, 91.
Gräberfeld Kleinhadersdorf: Molluskenschmuck aus 1931
Grab Inv. Nr. Beschreibung Gewicht Rohmaterial Tafel
17 78809 1 Schalenfragment 8
g Crassostrea gryphoides (Schlotheim) 13
Gräberfeld Kleinhadersdorf: Molluskenschmuck aus 1987–1991
Verf.-Nr. Fund-Nr. Beschreibung Gewicht Rohmaterial Tafel
17 3 Kleines Schalenfragment <1
g Ostraeidae indet. 19
21 1 1 Schalenstück 1 g Cardium sp. 20
22 1 1 gelochte Muschelschale <1
g Anomia epihippium (Linné) 21
26 2 124 gelochte Schneckenhäuser 9
g Lithoglyphus naticoides (Pfeiffer) 23
29 2 13 röhrenförmige Perlen 16
g Protula cf. protensa (Linné) 25
67-1 6 1 röhrenförmige Perle 2
g Fissidentalium badense Partsch 41
81 8 1 gelochter Anhänger indet 50
91 2 1 röhrenförmige Perle 5
g Vermetus sp. Fastr. 56
Tabelle
33: Kleinhadersdorf: Molluskenschmuck aus den Grabungen 1931 und 1987–1991.
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen