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Statistische und Naturwissenschaftliche Untersuchungen 171
rakteristisch für dieses Vorkommen sind die Minerale Dis-
then und Rutil.
Sekundär treten auch Limonit („Rötel“) und der stroh-
gelbe Jarosit auf, die nach der Verwitterung von Pyrit ent-
standen sind.
Stellenweise weist eine lokale Schwarzfärbung des Bo-
dens auf ein Graphitvorkommen hin (z.
B. bei Trabenreith,
NÖ.).
„Rötel“
Die Gewinnung und Verwendung von Rötel (auch „roter
Ocker“ genannt) gehört zu den frühesten Aktivitäten und
Ausdrucksformen des Menschen (seit dem Paläolithikum).
Rötel ist ein anorganisches, mineralisches Pigment, wel-
ches hauptsächlich auf die Wirkung zweier Minerale zu-
rückzuführen ist: Hämatit („Blutstein“, „Roteisenstein“,
Fe2O3) und Goethit FeO(OH). Dieser bildet mit Tonmine-
ralen oder feinkörnigen Karbonaten das Gestein „Limo-
nit“, bei entsprechender Farbe auch „Ocker“ genannt.
In der natürlichen oder künstlichen Mischung mit ande-
ren Mineralen (z. B. Tonminerale, Kreide, Manganoxide)
kann eine Farbpalette von dunkelbraun – rotbraun – orange
bis ockergelb entstehen. Darüber hinaus hat der Mensch ge-
lernt, durch Brennen der Pigmente weitere chemische Ver-
bindungen und damit Farben zu erzeugen.
Wenn Limonit bei etwa 200 °C gebrannt wird, entsteht
Hämatit.
Die rotbraune Farbe des „Rötels“ hat seine Ursache im
dreiwertigen Eisen (Fe3+), welches sowohl im Hämatit als
auch im Goethit vorliegt.
Reiner, feinkörniger Hämatit ist sowohl im Waldviertel
als auch im Weinviertel selten anzutreffen, Lagerstätten sind
von hier nicht bekannt. Allerdings tritt feinkörniger Hämatit zusammen mit
Goethit in so genannten Limonitknollen und Toneisenstei-
nen auf, die häufig an Tonlagerstätten und Sande gebunden
sein können (z.
B. Tongrube Laa/Thaya, Sandgruben Straß
bei Langenlois (Abb. 72), Breiteneich bei Horn und Frei-
schling SO Gars). Ebenso führen viele Sandgruben im
Weinviertel derartige Limonitkonkretionen.
Praktisch alle natürlich feinkörnig vorkommenden oder
gepulverten Limonite geben beim Brennen den „Rötel“
(mehrheitlich Hämatit) von guter Qualität (Abb. 73). Die-
ser „synthetische Rötel“ enthält jedoch untergeordnet Ei-
senoxid-Phasen, die natürlich nur selten vorkommen (Wüs-
tit und Maghemit). Der Nachweis dieser Fe-Oxide kann
praktisch nur röntgenographisch erfolgen367.
367. vgl. Götzinger 2011.
Abb.
71: Graphit Röhrenbach (Foto M. Götzinger). Abb.
72: Limonitknolle mit Goethit und Hämatit, SG. Straß bei
Langenlois, NÖ. (Foto A. Wagner).
Abb.
73: Limonit – Toneisenstein, SG. Freischling bei Gars, NÖ.
(Foto A. Wagner).
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen