Page - 179 - in Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
Image of the Page - 179 -
Text of the Page - 179 -
beiden Ketten aus mehreren Spondylusperlen trug und
überdies aufgrund der Sr-Isotopenanalyse ihrer Knochen
und Zähne als eine der drei von auswärts gekommenen Per-
sonen anzusehen ist (siehe auch Kapitel 7.3). Sie gehörte
damit höchstwahrscheinlich zur „Gründergeneration“ des
Friedhofes und ihre zentrale Lage zwischen diesen beiden
Grabgruppen ist wohl alles andere als zufällig.
NW-Gruppe (1)
Diese Gruppe bietet ein recht kompaktes Bild mit einer ho-
hen Belegungsdichte. Die Abgrenzung nach NO ist mit den
beiden oben besprochenen Gräbern (Verf. 54 und 55) gege-
ben, nach N, W und S dürfte hier der Rand des Gräberfeldes
erreicht worden sein. In Richtung SO zeigen die Grabgru-
ben 83, 58 und 59 die Grenze dieses Areals an. Die weiteren
Befunde zwischen dieser Grabgruppe und jener im Zent-
rum (Verf. 85, 86, 87 und 87a – „verackerte Reste“; Verf. 88
– Leergrab) scheinen letzte Spuren einer eigenen Grabgrup-
pe in einer Zone extremer Erosionsschäden zu sein.
Innerhalb der NW-Gruppe liegen die vier Männergrä-
ber (Verf. 57, 69, 79, 81) im nördlichen Teil auffällig nahe
beieinander (Abb. 57), mitten darin – aber gleichzeitig am
N-Rand der gesamten Grabgruppe – lag eines der ältesten
(nach 14C-Datum) und zugleich das ungewöhnlichste Män-
nergrab des Gräberfeldes (Verf. 81): ein junger Mann von
17–25 Jahren, dessen erhaltene Ausstattung neben den übli-
chen Beigaben auch zwei mehrfach gelochte Eberzähne,
7. Die Struktur des
Gräberfeldes von
Kleinhadersdorf und der
Versuch, seine Geschichte
sowie die einzelner
Personen zu rekonstruieren
Christine Neugebauer-Maresch,
Eva Lenneis
7.1 Grabgruppen
Der Gesamtplan des Gräberfeldes (Kapitel 3 – Abb.
7) lässt
deutlich mehrere unterschiedlich große und dicht belegte
Grabgruppen erkennen. Die variablen Erhaltungsbedin-
gungen in den einzelnen Bereichen legen nahe, dass die
Grabgruppen nicht in völlig gleicher Qualität auf uns ge-
kommen sind. Es gilt daher jeweils zu prüfen, ob die einzel-
ne Grabgruppe annähernd vollständig erfasst werden konn-
te oder ob erhebliche Verluste wahrscheinlich sind.
Im N bzw. NW des Gräberfeldes zeichnen sich zwei
Grabgruppen ab, deren exakte Abgrenzung voneinander
Schwierigkeiten bereitet. Die Gräber Verf. 54 und Verf. 55
scheinen genau zwischen diesen beiden Gruppen zu liegen.
Versucht man diese beiden Grabgruppen mit einer Linie zu
umreißen, so treffen die Begrenzungslinien bei den beiden
Gräbern aufeinander. Man kann sie daher sowohl der NW-
Gruppe als auch der N-Gruppe zuordnen und so scheint es
geboten, diese beiden Gräber vorab zu betrachten. Grab
Verf. 54 ist eines der nur vier Brandgräber des Gräberfeldes
und kann aufgrund der Keramik in die zweite Belegungs-
phase desselben (LBK II a) datiert werden.
Dieses Grab überlagert das Körpergrab Verf. 55 an des-
sen SO-Ecke geringfügig. Letzteres ist ein sehr bemerkens-
wertes Grab. Es enthielt das Skelett einer Frau von 30–50
Jahren, die aufgrund der 14C-Daten als die älteste Bestattung
anzusehen ist, in der hier seltenen rechten Hocklage und
noch selteneren N–S-Orientierung gebettet war, eine der 179
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen