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Christine Neugebauer-Maresch, Eva
Lenneis180
teren Erwachsenen, die menschlichen Reste aus Verf. 52 wa-
ren nicht bestimmbar, ebenso jene aus Verf. 53, einem be-
reits alt ausgegrabenen Grab. Aus der eben geschilderten
Situation sind keinerlei geschlechts- oder altersbedingte
Gruppierungen der Bestatteten erkennbar.
Zentrale Gruppe (3)
Im Zentrum des Gräberfeldes fällt sofort eine Zone beson-
ders dichter Belegung auf, die aber gegen die Ränder zu sehr
ausdünnt und damit besonders nach W und O/SO schwie-
rig abzugrenzen ist. Nach N und S gibt es hingegen große
befundfreie Flächen zwischen dieser und den benachbarten
Grabgruppen. Die westlich der Gräber Verf. 21 und 23 ge-
legenen locker verstreuten Grabgruben liegen wieder in ei-
ner Zone mit sehr schlechten Erhaltungsbedingungen, so
dass mit dem Verlust evtl. dazwischen gelegener Gräber zu
rechnen ist. Die scheinbar geringere Belegungsdichte am W-
Rand der Zentralgruppe ist also vermutlich nur das Ergeb-
nis von Erosionsschäden. Aus diesem Grund rechnen wir
das alt ausgegrabene, zerstörte Männergrab Verf. 90
(= G. 04), das zerstörte unbestimmbare Grab Verf. 89, die
Grube mit einzelnen Knochen Verf. 8 sowie das Kindergrab
Verf. 7 noch zur zentralen Gruppe.
Die Abgrenzung nach O und SO wird durch die etwas
unsichere Lokalisierung der 1931 ausgegrabenen Gräber
(G. 3, G. 6, G. 11) erschwert, doch scheinen diese ebenfalls
noch zu der zentralen Grabgruppe zu gehören. Auffällig
sind die teilweise großen Distanzen zwischen diesen Grä-
bern. Ähnlich wie am W-Rand ist auch hier nicht auszu-
schließen, dass Spuren einiger dazwischen liegender Gräber
völlig verloren gegangen sind.
Innerhalb der zentralen Gruppe zeichnen sich nun drei
jeweils besonders dicht belegte Zonen ab: im nördlichen
Teil gibt es eine Gruppe von drei Männer- (Verf. 3, G. 16,
G. 19) und zwei Frauengräbern (G. 14, G. 15), am NO-
Rand finden sich zwei Leergräber (Verf. 1, 2). Gegen den
vorhin diskutierten, etwas unsicheren O-Rand zu befindet
sich erneut eine Gruppe aus drei Männergräbern (Verf. 10,
G. 7, G. 8), an die unmittelbar westlich ein Kinder- (Verf. 11)
und ein Leergrab (Verf. 12) anschließen, westlich von diesen
drei alt ausgegrabene Gräber (Verf. 14, 13, 16=G. 2). Zu die-
sem südöstlichen Teil der zentralen Gruppe gehören viel-
leicht auch noch das Kindergrab G. 3 sowie die beiden Grä-
ber von nicht geschlechtsbestimmbaren Erwachsenen (G. 6,
G. 11). Im eigentlichen Zentrum und im SW-Teil der zent-
ralen Gruppe fällt zunächst eine etwa N–S ausgerichtete
Aneinanderreihung von Kindergräbern auf, deren nörd-
lichstes (G. 18) allerdings einem bereits fast erwachsenen
Jugendlichen von 17–22 Jahren gehörte, nach Süden nach-
folgend das Doppelgrab zweier Kleinkinder (G. 17a, b), ein
aber sonst keine jägerischen Attribute enthielt. Unmittelbar
östlich von ihm finden sich zwei (Verf. 56, 91–1) der drei
Frauengräber dieser Grabgruppe. Das oben besprochene
Frauengrab Verf. 55 schließt an die beiden Frauengräber
wiederum im NO unmittelbar an. Nur die dritte Frau der
Gruppe (Verf. 65) befindet sich in der südlichen Hälfte, um-
geben von vier Leergräbern (Verf. 58, 83, 62, 78) und einem
Kindergrab (Verf. 64). Letzteres ist das südlichste von fünf
etwa N–S aufgereihten Kindergräbern (Verf. 70, 80, 67-1,
67-2, 64), die gleichzeitig den W-Rand der gesamten Grab-
gruppe bilden. Nur ein Kindergrab (Verf. 59) befindet sich
im südöstlichen Randbereich der Gruppe und überschnei-
det geringfügig ein Leergrab (Verf. 58) an dessen S-Rand.
Dieses ist eines der schon oben genannten vier Leergräber,
die den S- und SO-Rand der Grabgruppe anzeigen dürften.
Ein weiteres Leergrab (Verf. 84) sowie ein Brandgrab (Verf.
82) liegen innerhalb der Gruppe der Männergräber. Genau
im Zentrum der Grabgruppe befanden sich weitgehend zer-
störte Grabgruben (Verf. 66–68), deren menschliche Reste
leider nicht mehr nach ihrem Geschlecht zu bestimmen wa-
ren. Dies ist umso bedauerlicher, als die jugendliche Person
aus Grab Verf. 66 zugewandert ist, wie die Analysen der Sr-
Isotopen ergaben.
Da heute nicht mehr zu erschließen ist, wer ursprüng-
lich in den Leergräbern und in den zerstörten Gräbern des
zentralen Bereiches der Grabgruppe bestattet war, bleibt die
oben dargestellte Gruppierung der Männer-, Frauen- und
Kindergräber mit einem ziemlich großen Unsicherheitsfak-
tor belastet.
N-Gruppe (2)
Diese Grabgruppe am N-Rand des Gräberfeldes zeichnet
sich durch eine wesentlich lockerere Belegung und eine ex-
trem schlechte Erhaltung der menschlichen Reste aus. Ihre
Abgrenzung ist mit Ausnahme der Berührungsstelle mit der
oben besprochenen NW-Gruppe bei den Gräbern Verf. 54
und 55 jeweils durch anschließende Leerflächen eindeutig
gegeben. Die innere Struktur dieser Gruppe lässt sich hinge-
gen kaum erschließen. Ganz am N-Rand finden sich zwei
der insgesamt vier Brandgräber des Gräberfeldes (Verf. 44,
46), genau dazwischen liegt ein Kindergrab (Verf. 43). Nur
ein weiteres Grab dieser Gruppe konnte anthropologisch
bestimmt werden, es ist dies ein Männergrab (Verf. 40) im
SO-Teil. Es befindet sich zwischen zwei Leergräbern (Verf.
39, 41), weitere vier Leergräber (Verf. 42, 44, 48, 50) waren
in der nördlichen Hälfte dieser Gruppe festzustellen. Am
N-Rand neben Brandgrab Verf. 46 befand sich ein Körper-
grab (Verf. 45), in dem nur mehr der Leichenschatten einer
erwachsenen Person erhalten war, unweit westlich ebenfalls
am N-Rand enthielt ein Grab (Verf. 49) die Reste eines wei-
Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Title
- Das linearbandkeramische Gräberfeld von Kleinhadersdorf
- Authors
- Christine Neugebauer-Maresch
- Eva Lenneis
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-7598-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 406
- Keywords
- Neolithic, LBK, cemetery, archaeology, prehistory, Kleinhadersdorf, Lower Austria, Neolithikum, Linearbandkeramik, Archäologie, Urgeschichte, Gräberfeld, Kleinhadersdorf, Niederösterreich
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen